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Trolle, Spamer, Phisher, Astroturfer und Link-Sammler, wer kennt sie nicht, die Schattengestalten, die sich in Foren, auf Blogs und in Communities so rumtreiben. Sie kommen seit Anbeginn der Zeit immer wieder ans Tageslicht und haben auch mich vor einigen Jahren, als ich noch Community Manager war, auf Trab gehalten. Heutzutage findet man sie häufig auch bei Facebook und Twitter oder auf Empfehlungsportalen wie CIAO und Dooyoo. Amazon ist auch ein beliebtes Ziel dieser Furunkel, die sich dem Web angeheftet hat und gegen die auch der beste Virenscanner nichts nützt. Da mir einer der Gattung Troll erst letzte Woche in einem Blogpost über den Weg gelaufen ist, will ich mir heute mal die Zeit nehmen, um sie ein wenig ans Licht zu ziehen und bloßzustellen. Denn obwohl sie sich gut tarnen – man kann sie erkennen, wenn man weiß, worauf man achten muss.

Der gemeine Troll

Klein von geistigem Wuchs, Groß an Minderwertigkeitskomplex. So würde ich ihn mal beschreiben. Er ist viele :-) Denn meist arbeitet er nicht nur von einer Höhle aus, sondern hat sich viele Fake-Höhlen, respektive Profile zugelegt. Er agiert mit Pseudonymen oder gern auch mal als „Anonymus“. Er verwendet Wegwerf-Email-Adressen von instant-mail, squizzy oder trash-mail, um sich zu registrieren. Er hinterlässt selten Spuren, denn er nutzt natürlich Proxy-Server via Tor oder einfach den privaten Modus des Browsers. Der Troll ist listig und gemein, denn eine konstruktive Diskussion ist ihm ein Graus. Er mischt sich einfach ohne zu fragen in Gespräche ein und versucht sie mit allen Mitteln zu torpedieren. Er hat oft nichts zu sagen, davon aber reichlich.

Einem Troll kann man nur begegnen, in dem man ihn ignoriert. Wenn er nicht beachtet wird, dann tanzt er um seinen kleinen Bildschirm wie Rumpelstilzchen und platzt vor Wut. Wenn er es zu bunt treibt, dann hilft ein kurzer Bannspruch der Verwarnung und dann Verbannung. Man sollte sich auch nicht um die Androhung von rechtlichen Konsequenzen oder die Frage nach einer ladungsfähigen Adresse scheren, denn Trolle mag niemand, auch kein Richter. Und auch wenn er droht und Zeder und Mordio schreit (im Übrigen dann immer in einem einwandfreien und sehr förmlichen Hochdeutsch), das ist nichts als heiße Luft.

Seine Motivation: Unruhe stiften

 

Der hinterhältige Spamer

Hier ist nicht der bekannte Germanist und Volkskundler Adolf Spamer gemeint, sondern ein Männlein, dass im Walde steht und seinen Unrat an den Mann bringen will. Der Spamer verbreitet Müll, wie der Name schon sagt. Er verschickt Mails zu tausenden, wirbt für Penisvergößerungen oder Brustvergrößerungen durch Handauflegen. Er dringt in Gespräche ein und platziert Links zu Zielseiten, an denen er mitverdient. Er ist ein Kommerzialist, denn er macht es für Geld. Er ist käuflich und überall zu finden. Im Gegensatz zum Troll erkennt man ihn sofort, denn er ist oft der Einzige, der in einem Kommentar einen Link hinterlässt, der mit dem Thema selten etwas zu tun hat.

Seine Motivation: Klicks generieren um Geld zu verdienen

Viagra_Spam_Mail_2011

Der bösartige Phisher

Einen Zacken gefährlicher ist der Phisher. Ihn kann man schon als bösartig und abgrundtief hässlich bezeichnen. Er versucht an Passwörter, Kontodaten, Telefonnummer oder PIN-Codes heranzukommen. Er verbreitet Viren und Trojaner mit dem Ziel der mutwilligen Zerstörungen und des eigenständigen Weiterverbreitens. Seine Phishing-Mails und Phishing-Messages sind schwer zu erkennen, weil sie oft von seriös wirkenden Absendern kommen. Der Phisher tarnt sich als Bank oder Freund oder suggeriert, dass man bei keinem Aufwand ganz schnell unglaublich reich wird. Hier ist Vorsicht geboten, also Obacht! Für alle Gutgläubigen und Rosabrillenträger: Nein, man wird nicht einfach so reich und nein, eine Bank fragt NIEMALS nach Passwort und TAN per Mail!

Sein Motivation: Geld und Macht

Sparkasse Phishing Mail

Der listige Astroturfer

Er hat ist erst in den letzten Jahren als Kreuzung zwischen Troll und Spamer entstanden und vereint List und Tücke in einer neuen Dimension. Er ist ein Meinungsmacher und versucht den Eindruck zu erwecken, dass viele einer Meinung sind. Sein Spielfeld ist der Kunstrasen der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft. Kleine Fische wie ich sind für ihn uninteressant, er geht auf die großen Brocken. Auch er ist viele, der er versteht es, ein großes Netzwerk an Fake-Profilen, beispielsweise auf Facebook, aufzubauen. Hat er seine Legionen erst einmal aufgestellt, dann beginnt der Angriff auf die ahnungslose Profilseite eines Unternehmens. Nicht selten ist es ein Astroturfer, der einen Shitstorm von der Größe eines Vodafone-Taifuns oder eines ING-Diba-Hurricanes initiiert. Er ist schwer zu fassen, denn agiert selbst im Verborgenen und schickt nur seine Schatten vor. Er selbst bezeichnet sich auch gern als Graswurzelbewegung und will doch eigentlich nur spielen.

Seine Motivation: Stimmungsmache

Grass

Der nervige Link-Sammler

Ihn trifft man sehr häufig in Blogs und seine Masche ist so durchschaubar wie Plexiglas. Es gibt die harmlosen, die dem klassischen Gedanken des Linkbuilding (SEO Off-Page) folgen und es gibt die frechen, die sich die Kommentarfunktion von Blogs und Foren zunutze machen, ohne etwas inhaltliches beizutragen.

„Interessanter Beitrag“ // „Bin zufällig auf den Blog gestoßen“ // „Muss ich mir merken“ // Werde mir diesen Blog abonnieren“ … das sind seine Phrasen, die der Link-Sammler meist automatisiert in die Blogosphäre und die Forenlandschaft schießt. Leere Worthülsen, die nur ein Ziel haben – einen Backlink. Er bedient sich oftmals Bot, die sich automatisiert und wie Blutegel an einen Blog heften, um ihn mit Kommentaren zu überhäufen. Seine Gefahr ist die Masse und die Glaubwürdigkeit. Denn wenn der eigene Blog mit Link-Sammler-Kommentaren überfüllt ist, welch natürlicher Nutzer mag da noch kommentieren?! Im Gegensatz zum Astroturfer ist er leichter zu fassen. Zum einen, wenn man weiß, wie er schreibt. Zum anderen hängt an jedem seiner Posts immer und zu jeder Zeit eine URL. Da er sich gern aus dem osteuropäischen Ausland  auf Wanderschaft begibt, findet man nicht selten Domains mit .pl, .cz oder auch .ru an seinen Links. Die hinterlegten Email-Adressen sind oft kryptisch und entweder einem freien Maildienst zuzuordnen oder einer Wegwerf-Adresse. Firmenaccounts findet man nur bei den dummen Link-Sammlern, die sich selbst aber für unglaublich clever halten.

Glücklicherweise gibt es für diesen Grobian wirksame Fallen und Hausmittelchen. Ich nutze in meinem WordPress-Blog beispielsweise das voreingestellte Anti-Spam-Plugin von Akismet, was Spam und Link-Kommentare recht erfolgreich filtert. Wenn man Kommentare vorher freigibt, kann man sich auch gut vor diesen Bots schützen. Der beliebte Captcha-Schutz (Captcha = Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) funktioniert jedoch nur sporadisch. Denn wenn ein Automatismus auf den zweiten Automatismus trifft, dann werden sie sich schon irgendwie einig. Fragt der eine Automat den anderen: „Bist Du ein Mensch?“; sagt der andere: „klar!“; sagt der eine: „okay“. Soll heißen, Captcha-Anfragen können mittlerweile von findigen Bots einfach umgangen werden. Mancher Mensch scheitert dann eher an der Abfrage als ein Bot, denn die verschlüsselten Buchstabensalate in Grafiken sind nicht immer so leicht zu lesen.

Seine Motivation: Link, Links, Links

Das sind sie nun, Gespenster des Social Web, die Bloggern, Forenbetreibern und Community Managern das Leben schwer machen. Wie immer heisst es hier: Augen auf und Vorgesehen!