Ich blogge seit über 3 Jahren in diversen Agentur- und Gastblogs und seit diesem Jahr auch in meinem eigenen Blog. Ich weiß noch ziemlich gut, wie schwer ich mich mit meinem ersten Artikel für einen Corporate Blog getan habe und es ist nach wie vor etwas anderes, ob man in seinem eigenen Blog aus Spaß an der Freude schreibt, oder ob man ein bestimmtes Ziel damit verfolgt. Wer von Euch einen eigenen Blog mit keiner bestimmten Intention heraus betreibt, sondern nur so schreibt, wie er Lust und Laune hat (Gelegenheitsblogger), für den ist dieser Beitrag hier sicherlich weniger spannend. Wer aber einen Blog aus einer bestimmten, vielleicht auch kommerziellen Absicht heraus unterhält oder für ein Unternehmen bloggt, der sollte weiter weiterlesen. Vor allem dann, wenn er gerade erst mit dem Bloggen begonnen hat oder dies in naher Zukunft einmal versuchen möchte. Es geht in diesem Beitrag konkret um das Wie! Wie fange ich an? Wie gehe ich vor? Wie werde ich sichtbar?

#1 Idee finden

Am Anfang braucht es eine Idee. Und gerade die Ideenfindung ist mit das Schwerste am Bloggen. Von einer guten Idee hängt der Erfolg oder Misserfolg eines Beitrages ab. Nur kommen die Ideen nicht immer von allein und manchmal scheitert eine eigentlich gute Idee am Timing. Daher folgende Tipps, wie ich Ideen finde:

  • Ich sehe ich den Social Networks und den Medien, worüber gerade alle Welt spricht
  • Ich arbeite gerade an einem interessanten Projekt oder habe eine Lösung für ein allgemein bekanntes Problem gefunden
  • Ich lese andere Blogs und finde Beiträge, zu denen ich fachlich oder inhaltlich etwas beitragen kann

Natürlich fährt man immer am besten, wenn die Idee auch das Feld tangiert, indem man sich selbst thematisch bewegt. In meinem Fall sind es die Social Media, HR/Social Recruiting, Enterprise 2.0 oder auch Finance 2.0. Ich lese einige Blogs aus diesen Bereichen, bzw. versuche es regelmäßig. Ich habe mir bei Facebook, Twitter und Google+ die Personen und Accounst abonniert, von denen ich mir regelmäßige Informationen und Inspirationen erhoffe. Und außerdem stöbere ich ab und zu auch in entsprechenden Fachpublikationen wie WuV, Lead Digital oder Internet World Business. Die Suche nach Ideen erfordert Zeit, keine Frage. Aber sie steht nun einmal am Anfang eines jeden Beitrages und darf damit ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen. Manchmal ist eine gute Idee auch noch nicht reif für die Welt, dann lege ich sie mir erst einmal auf Halde.

#2 Inhalte überlegen (Brainstorming)

Habe ich die Idee, die mir manchmal auch an den unmöglichsten Orten kommt, dann gehe ich mir mir selbst in medias res und überlege mir die Inhalte, die ich zu dem Thema beisteuern kann. Dabei lasse ich mich auch gern von bereits geschriebenen Blogbeiträgen inspirieren, die ich hin und wieder auch zitiere und darauf verweise. Bereits erbrachte Argumente von anderen Bloggern sind es manchmal wert, hinterfragt oder diskutiert zu werden. Welche Erfahrungen kann ich vorweisen und welche neuen Erkenntnisse habe ich vielleicht zu dem Thema gewonnen. All diese Überlegungen fließen in das interen Brainstorming ein und sollen folgende Fragen aufgreifen und idealerweise beantworten:

  • Was will ich sagen?
  • Wem will ich es sagen?
  • Warum könnte das für denjenigen wichtig sein?
  • Wie will ich es sagen?

Dieses zielgerichtete Arbeiten an einem Beitrag wird umso wichtiger, je mehr ich mich mit meinem Blog positionieren möchte. Wenn ich ihn mehr oder weniger nur für mich betreibe, dann ist die Frage nach dem Zielpublikum und den Mehrwerten sicherlich nicht entscheidend. Für Unternehmensblogs stellen diese Fragen jedoch das A und das O dar.

#3 Beitrag schreiben

Ich bin jemand, der seine Gedanken dann auch schnell zu Papier bringen muss. Ich schreibe in den meisten Fällen hintereinander weg und höre erst dann auf, wenn ich der Meinung bin, fertig zu sein. Um Formatierung und Strukturierung etc. kümmere ich mich erst später.

Da ich gefragt wurde, wie lange ich denn für einen Beitrag brauche, hier ein grober Richtwert:

  • 2 DIN-A4-Seiten ca. 1 Stunde Schreiben und Formatieren

#4 Beitrag strukturieren

Jetzt gehts ans Eingemachte, denn ein guter Inhalt wird nur dann gelesen, wenn er auch gut strukturiert ist. Der Einleitung sollte man dabei besondere Sorgfalt widmen, denn in den ersten 4-5 Sätzen gewinnt man den Leser oder man verliert ihn. Der erste Absatz ist somit der Interessenswecker, von dem sich der potentielle Leser angesprochen fühlen muss. Er muss Lust auf das “Weiterlesen” machen und gleichzeitig einen Eindruck vermitteln, was den Leser von dem Beitrag in den nächsten 5 Minuten erwarten kann. So vermeidet man Enttäuschungen und erhöht gleichzeitig die Chance auf eine Interaktion am Schluss des Beitrages. Natürlich kann man sich in jedem guten Blog-CMS diverser Formatierungsmöglichkeiten bedienen:

  • Überschrift / Teilüberschriften <h2> bis <h4>
  • Markierungen, Absätze
  • Hyperlinks (Querverweise)
  • Texteinzüge

An den Markierungen bleibt das Auge hängen und das ist umso wichtiger, wenn man weiß, dass Blogleser einen Beitrag oft erst einmal nur “scannen” – ihn also überfliegen, um ihn dann ggf. später ausführlich zu lesen. Die Überschriften sollten immer mit den <h>-Tags versehen sein, da diese etwas besser von der Suchmaschine bewertet werden, als eine Fett-Markierung. Allerdings muss man darauf achten, bei den Teilüberschriften nur die Überschriften-Tags ab <h2> abwärts zu nehmen, da der <h1> Tag ausschließlich einmal pro Seite verwendet werden darf und meist dem Beitragstitel vorbehalten ist.

Neben der technischen Strukturierung ist die inhaltliche Strukturierung ebenso wichtig. Da ich mit dem Beitrag in der Regel ein kleine Geschichte erzählen möchte, sollte also ein roter Faden erkennbar sein. Der Leser muss durch den Beitrag geführt werden und der vielzitierte Spannungsbogen ist eine gute Form, den Leser bis zum Schluss im Beitrag zu halten. Ich glaube auch fest daran, dass ein guter Schluss in Form eines Fazits oder einer Zusammenfassung essentiell dafür ist, ob danach eine Interaktion in Form eines Likes, oder eines Shares oder eines Kommentars erfolgt.

Wie lang ist denn nun der optimale Beitrag? Die Antwort darauf kennt nur der Wind, aber es gibt es kleine Faustregel, die sicherlich ganz hilfreich ist:

  • Zeit, die ein Leser maximal mit dem Beitrag verbringen sollte: 5min (eher weniger)
  • Lesegeschwindigkeit für einen durchschnittlichen Leser: ca. 300 Wörter pro Minute
  • Anzahl Wörter bei einer voll beschriebenen A4-Seite: ca. 500 Wörter

Daraus ergibt sich eine “optimale” Beitragslänge von einer bis maximal 2 DIN-A4-Seiten, je nach Ausgestaltung mit Fotos und Grafiken.

#5 SEO OnPage

Jetzt trennt sich der professionell fokussierte Blogger vom hausgebrauchs-Blogger, denn OnPage-SEO ist nicht für jeden sinnvoll und notwendig. Zuerst einmal einige Empfehlungen für Zeichenlängen :

  • URL <55 Zeichen
  • Title <60 Zeichen
  • Description <135 Zeichen

Mit diesen drei Elementen geht man auf die Jagd nach Lesern, denn die diese sind im Suchsnippet bei Google zu sehen und ebenso als Vorschautext bei Facebook, Twitter und auch XING. Die jeweiligen Texte müssen somit “sprechend” gestaltet sein, also ansprechend und ohne weitere Erklärung einleuchtend. Der Suchende muss sich dahinter etwas vorstellen können und animiert werden, auf den Link zu klicken. Die Keywords in den Meta-Tags zu verstecken, bringt heutzutage kaum noch etwas, da es die Suchmaschine nicht interessiert.

Im Beitrag selbst müssen die wichtigsten Keywords auch am populärsten platziert werden, also im Titel, in der URL und in den Teilüberschriften. Generell kann man sagen: je weiter vorn im Text ein Keyword steht, desto wichtiger ist es in den Augen der Suchmaschine.

#6 Feintuning

Sind die Suchbegriffe platziert und ist der Beitrag strukturiert, kann sich dann noch dem Feintuning, also dem letzten Schliff zuwenden. Speziell die eingebetteten Bilder verdienen eine gewisse Aufmerksamkeit. Zum einen muss man sich mit den rechtlichen Fragen auseinandersetzen (hier verweise ich auf meinen Post zu den Social Commons). Zum anderen kann man auch Bilder und Grafiken für die Suchmaschine und den Suchenden optimieren.

  • vor dem Upload den Dateinamen anpassen: aus IMG20135546135.png wird Keyword_Inhalt_Rechteinhaber.png
  • den Alt-Tag und den Titel verwenden: Anzeige bei MouseOver, vor dem Download der Bilder in RSS-Reader und beim MouseOver // unterstützt auch die Auffindbarkeit in Bilderdatenbanken

Wenn ich Zitate aus anderen Quellen/Blogs einbinde, dann verlinke ich immer direkt in den Quellbeitrag hinein (Permalink), in der Hoffnung, dass ich dort dann mit meinem Trackback in den Kommentaren erscheine.

#7 Korrekturlesen

Wenn ich ein zweites Mal dann über den fertig gepimpten Text lese, fallen mir hin und wieder noch Dinge auf, die ich beim ersten Mal übersehen habe.

  • Textaufbau
  • Verständlichkeit
  • Rechtschreib- und Grammatikfehler
  • Roter Faden

#8 Publish

Habe ich dann ein gutes Gefühl, dann steht der Veröffentlichung nichts mehr im Wege. Man muss sich dann nur im Klaren darüber sein, dass Änderungen nach der Veröffentlichung einige Zeit brauchen, bis sie beispielsweise von Google im Index aktualisiert werden.  Denkt auch daran, dass der Permalink bei der ersten Eingabe eines Titels erstellt wird, sich dann aber nicht mehr automatisch updatet, wenn ich den Blogtitel verändere. Da muss ich dann den Permalink manuell anpassen.

Wichtig ist nun der initiale Seed! Der Autor, also respektive ich, muss den Beitrag auch zuerst im Social Web verbreiten, damit er überhaupt eine Chance hat, gesehen zu werden. Das sehen einige vielleicht anders, aber ich bin der Meinung, dass dieser erste Like zum Schreiben mit dazugehört. Denn wenn ich als Autor den Post nicht zuerst teile, wie soll dann die Netzgemeinde davon erfahren?

Wenn Euch diese Tipps weitergeholfen haben, dann freue ich mich über ein Like, oder einen Tweet, oder ein Share :-)

8 Tipps zum Verfassen eines Blogbeitrages

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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3 Gedanken zu „8 Tipps zum Verfassen eines Blogbeitrages

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