Über YouNow wird derzeit unglaublich debattiert. Ich kann mich entsinnen, dass es vor vielen Monden mit Chatroulette ähnlich war. Warum? Ganz einfach – weil es bei den Diensten um LIVE-Streaming geht. Das heißt, alles, was ich tue, sage, preisgebe oder zeige, ist sofort öffentlich. Keine Nachbearbeitung, kein nochmaliges “Drüber-Nachdenken”, kein Löschen. Rien ne va plus sagt man beim Roulette und so ist es hier auch. Und das macht die Brisanz von YouNow aus, dessen sich aber viele der dortigen Nutzer irgendwie nicht bewusst sind oder es bewusst in Kauf nehmen. Ich habe mir die Plattform einmal angeschaut, bin da auch sehr offen ran gegangen und war schon etwas geschockt, obwohl ich nur vielleicht 10min zugesehen habe. 

younow2Auf digitale-helden.de gibt es eine schöne Zusammenfassung von YouTubern und Bloggern zu dem Thema. Während die YouTube-Stars LeFloid oder auch Tooncraft die Hände über den Kopf zusammenschlagen bei soviel Leichtsinn, versucht Bloggerin Angelika Berenek dass etwas differenzierter zu sehen. Natürlich muss man verschiedene Seiten betrachten und darf nicht alles gleich schwarzmalen. Allerdings ist die Gefahr, aus Versehen private Daten von sich preis zugeben, die man nicht mehr zurückholen kann, bei YouNow wesentlich größer als bei anderen Diensten. Die Einstellungsmöglichkeiten sind nicht wirklich umfassen, lediglich die Löschung des Accounts ist recht prominent platziert.

YouNow-SettingsYouNow Settings_Privacy

Fakten Contra YouNow

  • Es gibt keinen Jugendschutz oder eine effektive Altersbegrenzung
  • Jeder kann zusehen und bleibt dabei anonym
  • Gesagtes und Gezeigtes ist unwiederbringlich im Web

Fakten Pro YouNow

  • unkompliziertes Medium mit hoher Reichweite, sowohl als App als auch stationär nutzbar
  • Der Kreativität der Akteure sind keine Grenzen gesetzt
  • Einfache Registrierung via Facebook, Twitter, G+ oder YouTube

Allerdings sehe ich nicht wirklich einen Mehrwert, ganz im Gegenteil. Während ich mir bei WhatsApp, Instagram, Facebook oder SnapChat meine Gesprächspartner in der Regel selbst aussuchen kann, habe ich auf YouNow keine Möglickeit, mein Publikum zu begrenzen oder Einfluss darauf zu nehmen. Außerdem sind es Momentaufnahmen ohne thematischen Kontext, eben LIVE.

Natürlich kann man sich als Nutzer via YouNow sehr schnell viele Likes und Komplimente abholen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und ist gut fürs Ego. Allerdings wird man auch ziemlich schnell mit zweideutigen oder eindeutigen Kommentaren bombardiert, mit denen man erst einmal umgehen muss. Und man kennt es vom Cybergrooming in privaten Chatrooms, dass sich Kids und Jugendliche in diesen Moment schnell mal etwas naiv verhalten und mehr zeigen, als sie eigentlich wollten.

younow2

Abschließend kann ich euch Eltern nur eines raten, wenn ihr merkt, dass sich eure Kids auf YouNow tummeln: Redet mit ihnen und erklärt ihnen, was schief gehen kann, bevor es schief geht! Denn eines ist für mich klar: ich zeige keinem Fremden einfach so meine Wohnung. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder einem Fremden die Wohnung zeigen, weder real noch virtuell. Auf YouNow passiert aber genau das und zwar eher unbewusst. Von der Preisgabe intimer oder persönlicher Information mal ganz zu schweigen.

 

YouNow YouToo YouBetterNot – ein Live-Streaming Dienst kommt in Dein Haus

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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