Ich berichte ja hier normalerweise über Social Media Neuigkeiten und Updates. Aber heute lassen wir das “Media” mal weg und widmen uns nur dem “Social“. In meiner Nachbarschaft, genauer gesagt in Pulsnitz ist die MEDITECH Sachsen GmbH ansässig, ein Hersteller und Spezialist von Medizintechnik. Und wie es der Zufall will, engagiert sich das Unternehmen schon seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Verein “Erzegbirgisches Hilfswerk Deutschland e.V.” in einer Region in Rumänien, um Botosani, was ich bis dato aber gar nicht wusste. Dirk Rauchfuß, seines Zeichens Vertriebsleiter bei der Meditech, hat nun auf seinem Facebook Account über die letzte Reise, bei der er erstmals mitgefahren ist, berichtet. Ich war beeindruckt und habe ihm zu seinen Erlebnissen ein paar Fragen gestellt.

Wie ist die Verbindung zum Erzgebirgischen Hilfswerk entstanden? Meditech aus der Lausitz und ein Verein aus dem Erzgebirge – ist ja nicht unbedingt naheliegend.

Seit 1990 fährt das Hilfswerk regelmäßig mehrmals im Jahr nach Rumänien. Dabei haben sie in der ersten Zeit die Geräte aus der ehemaligen DDR mitgenommen. Damals lief das über den die Firma TUR Medizintechnik, für die die Meditech den Generalvertrieb in Deutschland inne hatte. Eines Tages hat sich der damalige Vereinsvorsitzende an TUR gewendet für ein paar zusätzliche Geräte und wurde dann weiter an uns verwiesen. So kam die Verbindung zustande. Und seit 2008 betreue ich das Hilfswerk und das Projekt von unserer Seite aus.

Ich habe vor einiger Zeit auch den Verein in Schwarzenberg besucht und immer gesagt, wenn es mal passt, fahre ich mit. Ja und dieses Jahr war es soweit. Ich habe Urlaub genommen und bin los.

Wie war die Fahrt dahin? Es ist ja doch eine Zweitages-Reise über einige Grenzen.

Bis Budapest sah alles ganz normal aus, beinahe wie hier in Deutschland. Viele Firmen, Vertretungen und und auch große Konzerne wie Coca Cola. Da habe ich dann schon gedacht, warum die unsere Hilfe brauchen. Aber wenn man einmal von den großen Hauptstraßen abbiegt und in die Dörfer fährt, ist es wie in einer anderen Welt. Es gibt dann keine befestigte Straßen mehr, nur Staub und bei Regen viel Schlamm. Unseren LKW mussten wir dann auch von einem Traktor einen Berg hochziehen lassen.

MediTech Sachen - Hilfstransport für Botosani

Trotzdem ist die Fahrt mit dem LKW jetzt schon Luxus. Früher sind die Leute vom Verein mit einem Barkas B1000 runtergefahren, der eine ganze Kiste Ersatzteile für den Transport mit dabei haben musste. Da war es noch weitaus schwieriger, die Sachen hinzubringen.

Wie ist die Lage der Menschen dort vor Ort?

Es gibt ganz viele Menschen dort, bei denen bei Operationen im Krankenhaus gepfuscht wurde und die jetzt mit den Folgeschäden zu leben haben, wie beispielsweise Muskelschwächen oder durchtrennte Nerven. Natürlich haben sie auch mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Die Menschen sind oft hoch gebildet, haben sogar Abschlüsse von Universitäten, aber dort keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit. Viele gehen daher den Weg in die Städte und so wird es für die Übrigen immer schwerer. Und gerade in den kleinen Dörfern bekommen sie von niemandem Hilfe.

MediTech Sachen - Hilfstransport für Botosani MediTech Sachen - Hilfstransport für Botosani MediTech Sachen - Hilfstransport für Botosani

Und wie unterstützt ihr dieses Projekt? Es wird ja sicherlich vieles gebraucht?

Der Verein sammelt natürlich überall Sachen ein und finanziert das ausschließlich über Spenden und Sponsoren. Wir beteiligen uns mit dem, was wir haben: zum Beispiel Rollstühle und Pflegebetten oder auch Gehhilfen für ein Altersheim.

Meditech Sachsen - Hilfe für Botosani

Ich denke, der gesamte LKW, ein 40 Tonner, hatte mit Sicherheit Material von ca. 20.000€ geladen. Der Verein wird dieses Jahr auch noch zweimal runterfahren. Auch die Leute arbeiten alle ehrenamtlich für das Hilfswerk und nehmen so wie ich Urlaub, um dabei mitmachen zu können.

Meditech Sachsen - Hilfe für Botosani

Wir laden das Material nicht einfach so ab und lassen die Leute dann damit allein. Alle Kartons usw. werden sorgfältig verpackt und beschriftet, damit sie auch schnell an die richtigen Menschen verteilt werden können.

MediTech Sachen - Hilfstransport für Botosani

Meditech Sachsen - Hilfe für Botosani

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Das Ziel des Vereins ist Hilfe zur Selbsthilfe. Also wir versuchen die Menschen dahin zu bringen, dass sie selber anpacken und werden da unter anderem auch vom dortigen Pfarrer sehr unterstützt. Wir haben zum Beispiel Arbeitssachen mit hin geschafft, die die dort brauchen, um bspw. das Kinderheim zu bauen. Die Menschen bekommen dafür auch kein Geld, sondern Essen und Trinken.

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Wie war es vor Ort? Es muss ja für Dich schon ein „Kulturschock“ gewesen sein, wenn man das erste Mal in solche Gebiete fährt, wo noch viel Elend herrscht.

Ja es war schon krass, beinahe wie eine Zeitreise zurück. Wir haben in einem Kloster übernachtet, was von 25 Nonnen geführt wird. Das Kloster hat der Verein im Laufe der Zeit renoviert. Die Nonnen haben uns super aufgenommen, mit Essen und Trinken versorgt. Einige Mal haben wir sogar mit der Mutter Oberin am Tisch gesessen, was schon eine Ehre ist. Die Nonnen kümmern sich auch um die Verteilung der Hilfsgüter und helfen im Dorf sehr engagiert mit.

Es war in jedem Fall auch eine totale Ruhe in dem Kloster, ganz anders als hier im hektischen Deutschland. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Menschen einigermaßen zufrieden mit sich und der Welt waren. Sie haben nichts, aber sie erwarten auch nicht viel. Und die Menschen sind unglaublich gastfreundlich. Auch wenn sie nicht viel haben, für Gäste geben sie alles. Es wurde immer aufgetischt, wenn wir zum Essen eingeladen waren, das war Wahnsinn. Und dabei haben die wirklich so gut wie gar nichts. Eine Familie mit einem Jungen mit Muskeldystrophie wohnt in einem Haus mit zwei Zimmern. Fließend Wasser ist oft nicht vorhanden, der nächste Brunnen einen Kilometer weit weg. Wenn es regnet, geht dort fast gar nichts mehr. Dort haben wir ein neues Pflegebett aufgestellt.

Meditech Sachsen - Hilfe für Botosani

Es gibt auch viel Hilfsbereitschaft. Ein Bauunternehmer in dem Bezirk war von unserer Initiative so begeistert, dass er den Beton, der für den Bau des Kinderheimes noch fehlt, kostenfrei dazu gibt. Und da reden wir von Beton im Wert von 16.000€. Er hat uns dann auch zum Essen eingeladen und da haben wir den anderen Gegensatz von Rumänien kennengelernt, die Welt der Wohlhabenden. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind dort extrem und oft nur durch eine Hauptstraße voneinander getrennt.

Wir haben uns viel mit den Leuten getroffen, haben in den Läden vor Ort eingekauft und auch mal eine Lage Bier spendiert. Du musst Dich integrieren, die Leute kennenlernen und den Vereinsvorsitzenden kennen mittlerweile fast mehr Leute als den Bürgermeister.

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Wir haben auch viel mit den Müttern gesprochen und ihnen gesagt, dass sie besonders gut auf ihre Töchter aufpassen sollen, weil dort leider auch die Kindesentführung an der Tagesordnung ist. Also wir sind nicht nur hin, haben abgeladen und wieder weg, sondern haben viel den Kontakt zur Bevölkerung gesucht.

Was war ein Moment, der für Dich besonders lange nachgewirkt hat.

Wir haben einen Jungen besucht, bei dem bei einer OP gepfuscht wurde und er seither gelähmt ist. Der Arzt ist an uns herangetreten und hat gesagt, er könnte ihm helfen, aber die Medikamente gibt es kaum und er könnte sie nicht bezahlen. Zufällig hatte sich ein anonymer Spender beim Verein gemeldet und gesagt, er würde gern spenden, aber für ein konkretes Projekt und nicht einfach so. Er will es kennenlernen und genau wissen, wofür er spendet. Und er wird nun die Patenschaft für den Jungen übernehmen und ihm somit die Medikamente für die Behandlung auch bezahlen.

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Man bekommt dort extrem mit, wie gut es einem eigentlich selber geht. Es hat schon sehr nachdenklich gemacht, auch wenn man nicht alles so nah an sich heranlassen durfte.

Wie wird es mit dem Erzgebirgischen Hilfswerk und dem Projekt weitergehen?

Dirk-RauchfussNaja, das Hilfswerk hat natürlich damit zu kämpfen, dass die Mitglieder, die schon seit den 90ern dabei sind, mittlerweile in einem Alter sind, wo sie irgendwann nicht mehr selbst dort runterfahren können. Aber es fehlt an Nachwuchs und ohne den wird es schwierig, die Hilfe auf Dauer aufrecht zu erhalten. Daher war der Vereinsvorsitzende auch sehr froh, dass mal jemand mitkommt, der bissl jünger ist und sich auch so dafür interessiert. Ich werde sicherlich auch wieder einmal mitfahren!

Vielen Dank, Dirk für Deine Zeit und vor allem für Dein und euer Engagement!!! Chapeau!

 

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Hilfe zur Selbsthilfe – MEDITECH Sachsen und das Erzgebirgische Hilfswerk e.V. helfen einer Region in Rumänien

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