Twitter-140-Kills

Eines der dienstältesten Social Networks der Welt ändert nun seinen Kurs. Die 140-Zeichen-Grenze wird aufgeweicht. Wie bei einem Staudamm bröckelt zuerst die Krone in Form der Links und Bilder. Diese sollen zukünftig nicht mehr in die 140 Zeichen hineingerechnet werden.

Aber ich glaube, das ist nur der erste Schritt. Denn schon allein mit dieser Maßnahme gibt Twitter sein Alleinstellungsmerkmal auf und macht sich damit frei für weitere weitreichende Veränderungen. Die schwerwiegendste davon ist ja schon unlängst durch die Netzgemeinde geflossen: die komplette Aufhebung der Zeichenlimits und damit die Möglichkeit, mehrere tausend Zeichen pro Tweet zu verwenden.

Für einige mag diese nur eine weitere Wasserstandmeldung sein, für andere wie mich hat es bereits jetzt weitreichende Konsequenzen.

Zuerst das Positive:

  1. Ich kann in einem Tweet nun 140 Zeichen komplett für inhaltlichen Text verwenden (inkl. Hashtags) und bin damit etwas freier in der Gestaltung
  2. Ich kann Fotos und Videos nun beliebig meinem Tweet hinzufügen und so meinen Content aufwerten
  3. Durch die Twitter Card lassen sich nun auch komplette Vorschauinhalte darstellen, was die Konsistenz der geteilten Inhalte erhöht (Hinweis zur Twitter Card)

Aber ich für meinen Teil glaube, dass diese Änderung auch diverse Nachteile mit sich bringt, die auf die Art und Weise der Social Media Kommunikation begründet sind. Kommunikation beruht auf Content und der muss griffig, ansprechend und in den meisten Fällen kurz und „snackable“ verpackt sein. Das war bislang das Novum bei Twitter. Jeder Nutzer musste sich gut überlegen, wie er den Tweet formuliert, wie er ihn so ausgestaltet, dass er Aufmerksamkeit erzeugt. Das hat oft die Spreu vom Weizen getrennt: Good Tweets / Bad Tweets. Das machte Twitter auch so speziell und für gewisse Branchen und Ziele so wertvoll.

Was wird sich nun ändern?

  1. Die Timeline wird voller und bunter werden und damit auch unübersichtlicher und übersättigter
  2. Der Wettbewerb wird härter, da viele schlechte Kommunikatoren nun mehr denn je einen schlechten Tweet mit noch schlechteren Bildern und Videos kaschieren können
  3. Einen guten Text zu kreieren ist oft leichter als ein gutes Bildmotiv zu finden – damit steigt der Anspruch an Recherche und der Zeitaufwand fürs twittern

Ich sehe der Zukunft von Twitter mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Ankündigung der Filterung der Timeline durch Algorithmen und die zunehmende Präsenz von Sponsored Tweets sind zwei Maßnahmen, die Twitter unattraktiver machen. Die Trennung von Text und Fotos/Videos und Links bezogen auf die 140-Zeichen-Grenze könnte sich als hilfreich herausstellen, je nachdem, was noch so passiert.

Noch halte ich Twitter jedoch für das Wichtigste Netzwerk in der Social Media Kommunikation.

Twitter auf dem Weg zur Beliebigkeit oder: Das Ende einer Ära

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2 Gedanken zu „Twitter auf dem Weg zur Beliebigkeit oder: Das Ende einer Ära

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