Facebook hat vor einiger Zeit den Messenger als App ausgegliedert und versucht nun die Nutzer dazu zu bringen, sich die Messenger-App neben der Facebook-App zu installieren. Anfangs war das noch eher subtil, mittlerweile ist es penetrant. Seit einigen Tagen nun ist es an Aufdringlichkeit nicht mehr zu überbieten. Facebook will mich als Nutzer in die App zwingen und das geht mir gehörig gegen den Strich, denn ich entscheide selbst, welchen Weg ich gehe.

Aus unternehmerischer Sicht ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar: Ein App-User ist weit mehr wert als ein Nutzer der mobile Websites. Mit der App ist Facebook ganz nah beim Menschen, sozusagen an seinem Herzen. Denn aufgrund der ganzen Freigaben, die man nach der Installation tätigen muss, weiß Facebook mehr von mir als ich ich wahrscheinlich selbst. Außerdem verbleibt die App in der Regel auf dem Smartphone, auch wenn ich sie nicht nutze. Sie ist im Hintergrund immer aktiv und sammelt permanent Daten über mich und meine Freunde.

Und genau das ist der Grund, warum ich schon vor vielen Monden die Facebook-App von meinen Geräten entfernt habe. Denn wenn eine mobile Website mir den gleichen Funktionsumfang bietet, ohne aber die unerwünschten Nebenwirkungen wie SMS lesen, Mikro und Kamera an- und ausschalten, Geodaten-Tracking oder Freundesliste scannen, dann nehme ich doch das kleinere Übel. Natürlich nutzt auch der mobile Chrome-Browser einige dieser Berechtigungen und natürlich sammelt Google mindestens genauso viele Daten, aber hier habe ich mich bewusst dafür entschieden. Facebook jedoch will mich zwingen und zwingen lasse ich mich nicht, vor allem, da ich in der App-Nutzung für mich definitiv keinen Mehrwert sehe.

Vor ein paar Wochen kam zwar auch schon der Hinweise auf den Messenger, den konnte man aber problemlos wegdrücken. Will ich jetzt diese Meldung jetzt schließen, leitet mich Facebook in den Google Play Store. Schließe ich das Fenster, komme ich wieder auf den Hinweis und von dort wieder in Store.

Facebook-Messenger-Zwang

Ich vermute, dass in nächster Zeit aus dieser zweifachen Schleife eine Endlosschleife wird. Und nüchtern betrachtet wird Facebook wohl auch seine mobile Website für das Social Network komplett in die App verlagern.

Ach was waren das früher für Zeiten, als es “nur” die SMS gab. Jedes Handy hatte den SMS-Client und jedes Handy konnte SMS verstehen. Wenn man jetzt eine Nachricht schicken will, dann muss man sich vorher überlegen, welchen Client denn der Empfänger installiert hat: WhatsApp, Threema, Telegramm, Facebook Messenger…..die Liste wird immer länger. Statt nur einen Dienst nutzen zu können, braucht man nun mehrere Apps, die alle für sich Daten sammeln, Speicher fressen und Akku verbrauchen. In meinen Augen kein Fortschritt, sondern zunehmend lästig und frustrierend.

Ich weiß nicht, ob sich Facebook damit einen Gefallen tut und bewusst schlechte Bewertungen und Abmeldungen in Kauf nimmt, nur um seine Idee des allumfassenden privaten Netzwerkes Wirklichkeit werden zu lassen.

Facebook steht zwar mit seiner Strategie der Datensammlung im Visier der europäischen Datenschützer, andererseits profitieren Behörden und Regierungen genauso von der Informationsfülle zu jedem einzelnen Nutzer. Denn bequemer und einfacher kann man Menschen nicht überwachen und bei Bedarf auch manipulieren oder kontrollieren.

Futurezone.at: Was Facebook über seine Nutzer wirklich weiß

 

 

Facebook Messenger App – Installiere oder Du bist raus!

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2 Gedanken zu „Facebook Messenger App – Installiere oder Du bist raus!

  1. In Anbetracht der Gesamtlage, die unter anderem der FZ-Artikel nochmal beleuchtet, wäre es dir eventuell einen Gedanken wert, Facebook vielleicht ganz den Rücken zu kehren?

    Wozu ist das denn eigentlich noch gut? Zum Messenger gibts genug Alternativen wie du schon sagtest. Durch den Timeline-Algorithmus werden Postings von echten Personen durch gelikete Pages verdrängt. Die Timeline ist inzwischen ein Äquivalent zu einem “Bitte möglichst viel Werbung einwerfen”-Aufkleber am Briefkasten. Das tägliche Gesabbel in den Freundeskreisen findet inzwischen in Whatsapp- oder Signal-Gruppen statt.

    Zum Nachrichten lesen kann man sich auch die RSS-Feeds der Blogs und Portale in den Browser ziehen. Das ist dann wenigstens auch vollständig und in der richtigen Reihenfolge, und nicht je nach deinem politischen Geschmack gefärbt und gesiebt.

    Und vielleicht einfach mal nicht immer alles von jedem sofort mitkriegen kann auch ganz erfrischend sein. Dann hat man nämlich was zum reden, wenn man sich mal wieder im Real Life trifft.

    Mir gehts jedenfalls viel besser, seit ich mein FB-Konto “gelöscht” habe.

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