Der Wert des Social Web und warum es mittlerweile tief in unserem Leben verankert ist

Phrasen wie „Das ist doch alles nur Spielerei“ oder „das sind doch alles keine echten Freunde“ hört man oft von der Eltern- und Großelterngeneration, wenn es um Social Media und die ganzen Social Communities geht. Sie verstehen einfach nicht, was ihre Kinder da treiben und warum sie lieber am Rechner, am Smartphone oder am Tablet kommunizieren, statt nach draußen spielen zu gehen (was sie ja trotzdem noch tun). Diese Vorbehalte höre ich, wenn ich mit Social Web macht Schule mal wieder auf Tour durch Schulen bin oder wenn ich vor Eltern oder Mitarbeitern über das Social Web referiere. Dass es ein Medium ist, welchem man sich mit einem gewissen Respekt und nicht blindlings anvertrauen darf, steht vollkommen außer Frage. Aber man darf es keinesfalls als Banalität, Jux oder sinnloses Phänomen betrachten, welches schon bald wieder verschwindet, denn das wird es nicht.

Daniel Miller hat in einer viel beachteten „Global Social Media Impact“ Studie über das Nutzungsverhalten im Social Web beobachtet, welche Auswirkung diese virtuellen sozialen Kontakte auf uns Menschen haben. Die Studie wurde 2012 begonnen und soll noch bis 2017 laufen, aber eines zeigt sich jetzt schon: Das Netz sind wir und das Social Web ist untrennbar mit uns verbunden.

Denn Social bedeutet ja nicht nur Facebook oder YouTube. Social bedeutet weit mehr als nur die Technologie dahinter. Social ist unser Verhalten zu kommunizieren und miteinander zu interagieren. Facebook, SnapChat oder Instagram sind nur die Mittel, die es uns ermöglichen, den Alltag im Netz zu verlängern.

So zeigt beispielsweise der Hilferuf der Frau von Kai-Eric Fitzner, wie wertvoll Social Media ist und wie eng man auf einmal zusammenrückt. Sie bittet um Hilfe für ihren todkranken Mann, indem man sein bis dato eher unbekanntes Buch bei Amazon kauft. Ihr Facebook Post hat eine Sympathiewelle sondergleichen ausgelöst und das Buch auf Platz Eins der Bestsellerliste gehoben.

Ich habe auch das Gefühl, dass die Bereitschaft, anderen zu helfen, im Social Web größer ist als auf der Straße. Man nimmt eher an dem Anteil, was um einen herum, also in seinem Netzwerk passiert. Man ist in seiner Wahrnehmung nicht nur beschränkt auf seine vier Wände, sondern mitten im Geschehen, wo auch immer es stattfindet. Ob nun der Kontakt zu alten Freunden, das finden von neuen Freunden, Kaufimpulse durch die Bewertungen des eigenen Netzwerkes, das gemeinsame Weiterentwickeln von Ideen, Livestreaming via App…..es gibt unzählige Beispiele dafür, wie tief das Social Web in unserem Leben verankert ist.

Diese Entwicklung ist für mich ein regelrechter Kulturwandel, hat sie uns doch geprägt und wird sie uns weiter prägen. Dabei gibt naturgemäß regionale Unterschiede, so wie auch die einzelnen Länder und Regionen kulturell und sozial voneinander verschieden sind. Das sieht man im einfachsten Falle an der Nutzung von Smileys in seinen Botschaften oder aber auch, wie Daniel Miller beschreibt, an der Art und Weise der Selbstdarstellung im Social Web. Während Engländer sich häufig über sich selber lustig machen, posten die Menschen in Trinidad oft religiöse Sinnsprüche. Während die Deutschen am liebsten die Maus als Smiley verwenden, ist es bei den Amerikanern der Totenschädel.

Auch die Nutzung von Social Services ist länderspezifisch unterschiedlich. In Europa sind die Isländer am häufigsten Social Networks (Stand 2014), während die Italiener die meisten Kontakte im Social Web hatten (Stand 2010). Argentinien ist unangefochtener Spitzenreiter in der Verweildauer pro Tag in Social Networks. Durch die zunehmende Nutzung von mobile Apps würde ich jedoch vermuten, dass die „Dunkelziffer“ deutlich darüber liegt.

(Quelle: statista.com // Anzahl Kontakte in Social Networks / Nutzung von Social Networks / Verweildauer in Social Networks

Man sieht hier eines ganz deutlich: Social Media ist kein temporäres Phänomen, es ist eine gesellschaftliche Entwicklung mit vielen Vorteilen, aber natürlich auch einigen Gefahren, die man ebenfalls kennen sollte.

Ich bin jedenfalls froh darüber, dass es so ist wie es ist und möchte es auch nicht mehr missen.




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