Am 05. Mai wurde es offiziell auf dem Google AdWords-Blog verkündet: Google zählt mehr Suchanfragen über mobile Endgeräte als über stationäre Rechner und Laptops. Auch wenn Google diese Aussage auf 10 Länder weltweit beschränkt, darunter Japan und die USA, ist sie nur logisch. Denn die Entwicklung im Markt der Tablets, Smartphones und Phablets und deren Nutzung zeigt in eine Richtung – nach oben. Das Trafficvolumen über mobile Endgeräte ist in den letzten Jahren förmlich explodiert, nicht zuletzt aufgrund der stetig wachsenden Nutzung von Cloud-Diensten, Messenger-Apps oder auch Social Media.
Infografik: Traffic Explosion - Kennzahlen zur Entwicklung des mobilen Datenvolumens | Statista

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Allerdings ist die Verkündung von Google auch ein taktisch kluger Schritt zum richtigen Zeitpunkt mit vielen Hintergedanken.

 

Zum einen hat Google vor wenigen Wochen, genauer gesagt am 21. April, damit begonnen, mobil optimierte Seiten in den SERPs (Search Engine Result Page) besser zu ranken als vergleichbare nicht optimierte Seiten. Dieser so genannte Mobilegeddon hat zwar mit einiger Verspätung eingesetzt, aber die Wirkungen waren durchaus beachtlich, auch wenn keiner genau sagen kann, ob dieser oder jener Rankingverlust nur und ausschließlich das Werk des “Mobilegeddon” war. Wie auch immer – spätestens seit Ende April sind nun viele Seitenbetreiber bestrebt, ihre Website zumindest Responsive zu gestalten. Das Responsive Design scheint laut Seitwert auch die von Google bevorzugte Seitenstrategie zu sein.

Zum anderen hat Google passenderweise gleichzeitig mit der Verkündung zum Suchvolumen auch neue mobile Werbeformate ausgepackt. Denn schließlich wartet im mobilen Web ein Kuchen darauf, verteilt und gegessen zu werden. Hotel Ads sorgen für eine direkte Buchung aus der Anzeige heraus. Ein neues Automotive Ad leitet den Nutzer bei der Suche nach seinem Traumwagen auf einer Bildergalerie mit noch mehr Impressionen zum Wunschauto. Selbst für den Immobilienmarkt gibt es bald ein neues Anzeigenformat. Auf der Suche nach Finanzierungen werden über die Hypotheken Anzeige Zinssätze und Konditionen von verschiedenen Banken und Instituten angezeigt.

Plattformübergreifendes Tracking von Conversions erleichtert es den Advertisern, die Anzeigenerfolge zu messen und zu reporten. Gepaart mit dem automatischen Bietersystem ist man also gut gerüstet für das neue mobile Zeitalter.

 

Aber wer nur auf Google setzt, wird mittelfristig ggü. dem Wettbewerb verlieren.

 

Denn Google ist nicht alles in der Welt der Suchmaschinen, wenn auch im Moment noch (fast) alles. Zumindest in den USA bröckelt die Dominanz. Während in Deutschland Google noch einen Marktanteil von gut 95% hat und damit Bing, Yahoo und alle anderen weit hinter sich lässt, haben diese beiden Konkurrenten mit 12% und 10% schon ein größeres Stückchen vom Suchkuchen in den USA abgeknabbert. Da Yahoo seit Dezember letzten Jahres als Standard-Suchmaschine im Browser Mozilla Firefox eingestellt ist und Firefox mit gut 30% Markanteil auf Platz 1 im Ranking in Deutschland steht, wird sich also auch bei uns der Markt weiter verschieben. Microsoft wird mit dem Microsoft Edge einen vollkommen neu gestalteten Browser im neuen Windows 10 einführen und hier sicherlich wieder Bing als Standard-Suchmaschine einsetzen.

 

Ganz gleich also, ob man seinen Zielmarkt in Deutschland hat oder weltweit präsent und sichtbar sein will, man kommt an Bing und Yahoo bei den Suchmaschinen über kurz oder lang nicht vorbei.

 

Bei der strategischen Ausrichtung des Search Engine Marketing spreche hier ganz besonders vom Bereich der Suchmaschinenwerbung (SEA). Die SEO – also die organische Optimierung für Suchmaschinen, muss so oder so gemacht werden und zahlt auf alle Suchmaschinen ein. Allerdings sollte man sich überlegen, ob man seine Website nur mit dem Google Webmaster Account verknüpft oder auch mit dem Bing Webmaster.

Bei der Anzeigenschaltung muss man sich jedoch ernsthaft überlegen, ob und wie man beispielsweise Bing in die Strategie mit einbezieht. Die Dresdner Agentur WebNEO hat letztes Jahr dazu erste Versuche unternommen und erste Erfahrungen gesammelt. Bing Ads werden sowohl bei Bing als auch bei Yahoo ausgesteuert und somit einer durchaus relevanten Nutzerzahl zur Verfügung gestellt. Wenn man nun noch unterstellt, dass im Firmenumfeld vor allem Microsoft-Rechner mit dem Internet Explorer, bzw. bald Microsoft Edge, und der standardmäßig eingestellten Suchmaschine Bing, eingesetzt werden, dann ergibt sich vor allem für das B2B-Umfeld, aber auch für B2C-Branchen eine interessante Reichweite.

Die Qualität der Klicks über Bing-Anzeigen erscheint besser zu sein als die Qualität der Klicks bzw. Besucher, die von Google kommen. Der Grund liegt in der der stärkeren Verwendung der Suchmaschine in Firmen und damit dem geschäftsmäßigeren Einsatz (natürlich nur relevant für Unternehmen mit der entsprechenden Zielgruppe). Zudem sind die Anzeigenpreise bei Bing im Moment noch deutlich geringer als bei Google.

Fazit:

Die mobile Ausrichtung von Webinhalten ist nicht mehr aufzuhalten und unumgänglich. Dabei ist das Responsive Webdesign die von Google favorisierte Art der Webseitenstrategie. Eine Fokussierung nur auf Google im Bereich der Anzeigenschaltung erscheint auf lange Sicht gesehen nicht optimal. Hier sollte man sich als Unternehmen dringend mit den Konkurrenten Bing und Yahoo beschäftigen. Eines zählt nach wie vor: der meiste Traffic auf eine Website kommt über die Suchmaschine. Denn als Nutzer findet nur derjenige sein Ziel, der auch suchet – auch im Zeitalter des Semantic Web.

Suche und Du wirst finden – über SEM, Google und Mobile first

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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