Als wir 2011 dieses Projekt ins Leben gerufen und die ersten Piloten an der Sportmittelschule Dresden und dem Marie-Curie-Gymnasium Dresden durchgeführt haben, war die Bandbreite an Netzwerken der Kids noch recht begrenzt. In der Regel haben sich die Aktivitäten in den Klassen auf Facebook und SchuelerCC beschränkt. Smartphones gab es unter den Schülern kaum und andere Plattformen wie Twitter, YouTube oder Skype waren zwar meist bekannt, wurden aber nur wenig genutzt. Beim direkten Vergleich von Facebook und SchuelerCC in Bezug auf Datenschutz, Jugendschutz und Privatsphäre hat damals ganz klar Facebook gewonnen.

Und wie sieht es heute, 3 Jahre und einige Schulen später aus?

In Gesprächen mit Eltern, Schülern und bei der Vorbereitung auf die nächste Projektrunde im Augustusburger Land ist eines sofort aufgefallen. Die Zeiten haben sich gewandelt und zwar dramatisch:

Studie TU Darmstadt Facebook Nutzung
Quelle: HR Online – Studie “Wie die Jugend klickt” der TU Darmstadt und des Hessischen Rundfunks

Wie stehts bei den Messengern mit Datenschutz, Privatsphäre und Jugendschutz?

Schlecht! Die Nutzungsbedingungen sind in der Regel auf Englisch, Meldemöglichkeiten existieren faktisch nicht (bis auf die Option, Beiträge und Nutzer zu blockieren) und durch die geringe Halbwertszeit der Informationen und der mobilen Nutzung ist das Sichern von “Beweismitteln” bei Fällen von Cybermobbing nur sehr schwer möglich.

Kurzum, auch heute würde ich, wenn ich meinen Kindern ein Netzwerk empfehlen müsste, Facebook ggü. WhatsApp & Co. bevorzugen. Facebook hat hier den entscheidenden Vorteil, dass es sowohl mobil als auch stationär genutzt werden kann und aufgrund der jahrelangen Debatten mit dem deutschen und europäischen Datenschutz eine mittlerweile sehr gute Einstellmöglichkeit für die Privatsphäre aufweist. Bei der Datenverwendung und dem Datenschutz sehen die amerikanischen Anbieter nach wie vor schlecht aus, da hier entweder Nutzerdaten in großem Stil abgegriffen oder/und auch noch für diverse interne und externe Zwecke verwendet werden oder die Datenübertragung Sicherheitsrisiken birgt (siehe SnapChat) . Das ist nicht immer gleich “böse”, man sollte es aber wissen, um das Netzwerk und sein eigenes Verhalten besser einschätzen zu können.

Ich habe dafür mal eine kleine Tabelle aufgestellt, die zugegebenermaßen keinen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, sondern meine Meinung und meine Eindruck bei der Arbeit und Recherche in und mit den Netzwerken widerspiegelt. Jappy habe ich als deutschen Vertreter einer gewachsenen Community mal mit aufgenommen.

Sicherheitseinschaetzung ausgewählter Netzwerke

Natürlich kann und müsste man diese Liste beliebig erweitern, denn das Spektrum an Plattformen, auf denen sich die Kids tummeln, ist groß.

Netzwerklandschaft bei Schuelern

Speziell Gaming-Communities wie Steam oder World of Warcraft bieten meiner Meinung nach ein nicht unerhebliches Potential für Cybergrooming:

  • hohes Maß an Anonymität
  • gemeinsames Interessensgebiet
  • 1:1 Kommunikation via privat Chat.

Aus privat wird ganz schnell öffentlich

Was viele Kids vergessen ist, dass eine Information unglaublich schnell öffentlich wird, auch wenn man sie vielleicht im ersten Moment nur einem begrenzten Kreis zur Verfügung stellt. Und nach 24h ist ein Bild oder ein Video kaum noch aus dem Netz zu bekommen.

aus privat wird oeffentlich

 

Es gibt also jede Menge zu tun, aber zum Glück haben wir jetzt ein motiviertes und engagiertes Team an Coaches, sodass ich zuversichtlich bin, dass wir zumindest bei dem ein oder anderen Schüler, den Eltern und Lehrern etwas bewegen. Ich freu mich drauf!!SWmS-Team

Zur Projektseite: Social Web macht Schule

Social Web macht Schule – das Projekt für Schüler, Lehrer und Eltern im Umgang mit Social Media

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.