TwitterTwittern, was bedeutet das eigentlich und warum ist Twitter für mich mittlerweile der wichtigste Informationskanal geworden? Ich möchte mich jetzt mal mit diesem blauen Zwitschervogel beschäftigen, der in Deutschland im Vergleich zur restlichen Welt immer noch ein Schattendasein fristet und das vollkommen zu Unrecht, wie ich finde.

Twitter ist schnell, Twitter ist einfach, Twitter ist cool

Seien wir doch mal ehrlich, Facebook ist mittlerweile so kommerziell und mächtig geworden, dass es schon gar keinen Spaß mehr macht. Ich sehe Anzeigen von Unternehmen, die ich nicht kenne, bekomme Rheuma-Entspannungsmassagen empfohlen und werde ständig zur Spielsucht verführt. Cat Content und TGIF prägen meine Timeline und das ständige Anpassen von Datenschutzbestimmungen mit pseudodemokratischen Ansätzen nervt irgendwie. Nicht dass ich die lustigen Posts nicht lustig finden würde, das ganze Drumherum, was nichts mit meiner Freundesliste zu tun hat, treibt mich immer weiter von Facebook weg. In die Arme von Twitter. Twitter versteht mich und meine Bedürfnisse und meint es gut mit mir. Wenn ich morgens mein Smartphone aus dem nachtschlafenen Nachladezustand erwecke, konsumiere ich als erstes meinen Twitterfeed. Hat sich politisch etwas getan? Gibt es einen neuen Stinkefinger oder wie war die iPhone-Präsentation? Twitter sagt es mir. Kurz, unverblümt und auf den Punkt. Ich erkenne an wenigen Zeichen, ob es mich interessiert oder nicht. Wenn es mir gefällt, dann fav’e oder RTe ich es. Werbung oder Suchtmittelempfehlungen sind Fehlanzeige. Die Timeline ist spartanisch und textuell übersichtlich. Das Nachladen der neuen Tweets geht schnell und ich muss beim twittern auch nicht ständig auf die Privatsphäreeinstellungen achten. Bei Twitter ist sowieso alles öffentlich.

Twitter ist gutes Networking

Bei Twitter versteht man sich noch auf gutes Benehmen in Social Media. Wenn mich jemand retweetet, dann bedanke ich mich. Wenn ich einen Tweet favorisiere, dann bekomme ich einen Fav zurück. Folge ich Dir, so folgst Du mir und am Freitag wird per #ff FollowFriday abgerechnet.

Twitter hat sich in meinen Augen zu DEM Networking-Tool entwickelt, weit vor G+, Facebook oder XING. Dass die Twitter-Community einen guten Ton untereinander pflegt und auch nicht vor persönlichen Treffen zurückscheut, sieht man an den TweetUps, die auch in Dresden in regelmäßigen Abständen stattfinden. Auf Events wie der re:publica trifft man seine Follower und freut sich danach auf ein virtuelles Wiedersehen im Twitter-Client.

Twitter ist die hohe Kunst der Kommunikation

Manchen treibt die Begrenzung auf 140 Zeichen je Tweet sicherlich zur Verzweiflung, ich finde das überaus clever und charmant. Man muss, um gehört zu werden, das was man zu sagen hat, in wenige klare und verständliche Worte kleiden. Kein Geschwafel, keine Phrasen und kein „um den heißen Brei“ Gerede. Das ist nicht jedem in die Wiege gelegt, bedeutet es doch ein Springen über den eigenen Schatten, denn ein Tweet ist niemals perfekt und niemals vollständig, sondern immer ein Kompromiss zwischen Anspruch und Realität.

Der Laie staunt und der Profi wundert sich, wie mancher Tweet durch die Decke geht und manch anderer ein armseliges Dasein fristet. Dabei sind es machmal nur Nuancen, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Hier ein paar Tipps, wie ich meinem Tweet auf die Sprünge helfen kann.

  • Aktiv und im Steno-Boulevard-Stil schreiben – es darf ruhig etwas reißerischer sein
  • Niemals nur einen Link ohne Zusatz posten – immer die Inhalte anteasern
  • Beliebte Keywords nutzen und per Hashtag markieren – Vorsicht vor Hashtag-Spaming
  • Beim Twittern von fremden Blogposts den Blogger vertaggen – er wird es euch danken
  • Beim Timing variieren – die Timeline kennt keine Best Practice Zeiten
  • Einmal ist keinmal – wichtige Tweets ruhig mehrfach senden
  • Wie Du mir so ich Dir – Twittern ist ein Geben und Nehmen
  • Nicht nur Retweeten, sondern den Retweet auch kommentieren – eine eigene Meinung ist Trumpf

Ansonsten gebe ich Ralph Scholze Recht, der da schrieb: „Twitter ist kein Chat“. Nein, das ist Twitter beileibe nicht und wer chatten will, der gehe bitte woanders hin. Es gibt bereits Beispiele, wo Nutzer entfolgt wurden, weil sie es mit der Frequenz dann doch übertrieben haben. Meine Regel: 3-5 Tweets pro Tag sind okay und legitim.

Ich hoffe nur, dass Twitter auch nach dem Gang an die Börse weiterhin so angenehm leicht bleibt wie bisher.

In diesem Sinne “#FF ein schönes Wochenende auch allen” !

Eine Liebeserklärung – an Twitter

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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2 Gedanken zu „Eine Liebeserklärung – an Twitter

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