Wer hat schon von BERT gehört? Also ich meine damit nicht den Bert aus der Sesamstraße oder die Kurzform von Adelbert bzw. Hubert. Ich meine den neuesten Clou von Google zur Verbesserung der Qualität der Suchergebnisse.

Diese sogenannte Core Update (Kern- bzw. Haupt-Update) hat in den letzten Tagen die SEO-Welt ganz schön erschüttert. Jeder SEO-Spezi und Blog berichtet darüber. Doch was genau verbirgt sich hinter BERT?

Ich möchte das heute mal für Laien und SEO-Anfänger verständlich erklären. 

Der Kontext von Suchanfragen

Vor nicht allzu langer Zeit haben die Menschen auf Google nach einzelnen Begriffen gesucht und gehofft, das richtige zu finden. Wenn also jemand nach “Kalifornien” suchte, musste die Suchmaschine erahnen, warum er danach sucht und welches Ergebnis zu seiner Suche passen könnte. Will er da hin reisen? Will er wissen, wie das Wetter dort ist? Will er eine Landkarte sehen? Oder will er etwas zum Stand der Brände wissen, die derzeit in dem amerikanischen Bundesstaat toben. Wenn man als Nutzer Glück hatte, passte das Suchergebnis, auch weil Google gelernt hat, dass die Menschen mit einer Suchanfrage meist auch ein bestimmtes, oft tagesaktuelles, Ereignis verbinden. Und das ist der Kontext von Suchanfragen, der aufzeigt, was ich mit meiner Suchanfrage wirklich meine. 

Long Tail, Kontext und BERT

Während die Suchanfragen, die nur aus einem Wort bestehen, Short Head Suchen bzw. auch Short Head Keywords genannt werden, gibt es auf der anderen Seite auch die sogenannten Long Tail Suchanfragen. Diese werden etwas despektierlich auch als “Rattenschwanz” bezeichnet und meinen die Suchanfragen, welche aus mehreren Wörtern und ganzen Fragesätzen bestehen. 

Zu den Short Head Keywords gibt es meistens unendlich viele Suchtreffer, weil Google hier eben nicht genau den Kontext der Suchanfrage ermitteln kann. 

Für Long Tail Anfragen geht das schon viel besser, was die Anzahl an Suchtreffern verringert und man sich hier in der “Nische” bewegt.

Im Laufe der Zeit habe ich als Nutzer gelernt, meine Suche immer weiter zu verfeinern. Denn ich merke ja, dass wenn ich gezielter suche, ich auch die für mich passenderen Suchergebnisse bekomme. Und das spart mir Zeit und Nerven.

Also wird immer häufiger und öfter “longtailig” gesucht. Nicht zuletzt ist es auch den Sprachassistenten wie Siri oder Alexa geschuldet, dass sich die Art und Weise, im Internet zu suchen, verändert hat. Denn während ich beim Schreiben manchmal faul bin, kann ich doch plappern wie ein Vertreter und meine Sprachsuche entsprechend ausschmücken.

Vom Keyword zum Verständnis

Vor 6 Jahren, also 2013, hat Google damit begonnen, künstliche Intelligenz und selbstlernende Algorithmen einzusetzen, um ein besseres Verständnis von Sprache zu erhalten. Das Hummingbird-Update war das erste Update, was in Richtung Verständnis von Kontext und Sprache zielte.

Der neue Such-Algorithmus vermag die gesamte Suchanfrage (besser) zu interpretieren, statt wie bisher nur nach einzelnen Wörtern innerhalb der Suchanfrage zu suchen. Google versteht die Intention einer Suchanfrage sowie den Inhalt eines Webdokuments damit noch besser. Diese beiden Faktoren sind grundlegende Faktoren für eine Verbesserung der Suchergebnisse. (Quelle: Sistrix )

Mit der Einführung von Rankbrain 2015 ging Google konsequent diesen Weg weiter. RankBrain steht für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz für relevante Suchergebnisse. Wenn man weiß, dass pro Jahr ca. 3.000.000.000.000 Suchanfragen in die Suchmaschine weltweit eingegeben werden, pro Tag sind das um die 5,6 Mrd. Suchanfragen, dann sind die Herausforderungen an Tempo und Genauigkeit immens.

Soweit die Theorie in Sachen KI und Semantik

Wenn man sich aber etwas tiefer mit der Materie beschäftigt, dann sieht man, dass auch bei Google nicht alles KI ist, was da innovativ glänzt. Denn trotz allen Updates wurden und werden immer noch Keywords für die Bewertung von Suchanfragen durch Google verwendet. Nix Kontext. Nix Sprache. Nix Semantik. Die Ergebnisse sind zwar wesentlich qualitativer geworden, die Relevanz bedeutend besser, aber mit geschickten Keyword-Positionierungen/Manipulationen kann ich nach wie vor die Rankings beeinflussen. Man nehme nur den SEO-Contest zur Wildsau-SEO, wo sinnfrei zusammengewürfelte Texte an vorderen Positionen ranken. 

Und so gehen Google die wirklichen Intentionen der Suchenden gern mal verloren, was die Suchmaschine natürlich mit ihrem Perfektionsanspruch ärgert. 

Vom Verständnis zu BERT

Während also Hummingbird und RankBrain die ersten Schritte waren, soll BERT nun der große Wurf sein. Ich erspare euch die Übersetzung der Abkürzung, ist sie doch für den Laien zu technisch und zu nichtssagend. 

Was aber wichtig ist zu wissen, ist, dass BERT nun das Verständnis von Google für Suchanfragen in neue Sphären katapultiert (katapultieren soll). Ja man darf ruhig erst einmal skeptisch sein, ob das auch alles so funktioniert. BERT basiert auf neuronalen Netzwerken, die in der Lage sein sollen, menschliche Sprache besser als jeder Algorithmus zu vor zu verstehen und zu übersetzen. Google ist somit nun besser als je zuvor in der Lage, eure Suchanfrage zu interpretieren, indem jedes einzelne Wort der Suche – und sei es auch noch so unbedeutend – analysiert und in Beziehung zu allen anderen Wörtern der Suchanfrage gesetzt wird. Ob nun Verb, Präposition, Adjektiv oder Substantiv – jeder Buchstabe ist nun für Google bedeutsam. 

Damit ist die Suchmaschine nun in der Lage, noch präziser, schneller und relevanter auf Suchanfragen zu reagieren, von denen durchschnittlich 15% sowieso zum ersten Mal gestellt werden. 

Ein “nicht” kann nun den Kontext einer ganzen Suchanfrage verändern, was früher nicht der Fall war. 

Was bedeutet BERT für Seitenbetreiber?

Das ist eine sehr gute Frage. Aktuell zeigen sich Auswirkungen auf ca. 10% der englischsprachigen Suchanfragen. 

Die New York Times hat in der vergangenen Woche nach Aussage einer Mitarbeiterin deutliche Rankingverluste hinnehmen müssen. Diese könnten in Zusammenhang mit Googles BERT-Update stehen. (Quelle: SEO Südwest)

Weitere Sprachen, auch Deutsch, werden nach und nach folgen bzw. die Auswirkungen merken. Bei den Featured Snippets sieht es so aus, also ob auch wir hier in Deutschland schon einbezogen wurden. 

Machen könnt ihr erst einmal recht wenig. Denn die Inhalte, die ihr im Netz stehen habt, sind ja schon indexiert und somit von der Algorithmus-Anpassung betroffen. Auch ist nicht klar, wie die Auswirkungen nun ganz genau aussehen und wen sie betreffen. 

Wer bislang seine Zielgruppe, seine Nutzer, in der Inhaltserstellung schon im Blick hatte, der sollte sich keine großen Sorgen machen müssen. Denn ein gutes Verständnis für die Wünsche, Bedürfnisse und Intentionen der Menschen ist ein untrüglicher Garant für eine gute Bewertung durch Google.

Die Keyword-Junkies und perspektivenlosen Content-Spamer machen sich aber zu Recht Sorgen. Denn das, was früher noch funktionierte, wird bald nicht mehr funktionieren. Nämlich, dass ich mich hinsetze, und ohne Recherche, ohne Analyse der Nutzerinteressen Texte vor mich hinklöppele. 

BERT ist cool, BERT ist wichtig, BERT nicht das Ende

Ich bin ein Fan von Qualität. Ich bin ein Fan von besseren Suchergebnissen, erleichtern sie mir als Nutzer doch die Internetrecherche und führen mich schneller an mein Ziel. Und ich finde es gut, dass schlechter Content so nach und nach aus dem Netz gedrängt wird. Aber ich bin auch Realist und ich gehe nicht davon aus, dass BERT schon das Ende der Fahnenstange sein wird. Ich glaube, Google probiert vieles noch aus und so kann BERT auch nur der nächste Schritt aber noch nicht das Ziel sein.

Für euch, die ihr einen Blog, eine Website oder einen Shop betreibt, muss der Anspruch klar sein: Hört auf eure Zielgruppe, hört auf die, die zu erreichen sucht und richtet die Inhalte konsequent und ohne Wenn und Aber auf genau ihre Ansprüche aus. Dann seid ihr gut aufgestellt und braucht euch vor BERTs & Co. nicht fürchten.

 

BERT – das neue Google Update verständlich erklärt

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