Die Zahl der deutschen Karriere Fanpages auf Facebook ist in den letzten Monaten auf über 290 Seiten mit mehr als 1 Million Fans angewachsen. Doch wie verhält es sich mit der eigentlichen Pflicht jedes Unternehmens, mit einem XING-Unternehmensprofil? Auch hier ist eine deutliche Verbesserung festzustellen, vor allem bei den Konzernen und großen Unternehmen. Sie haben ihre Hausaufgaben in aller Regel gemacht. Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen klemmt es hier jedoch oftmals noch, da sie bei aller Begeisterung für Facebook vergessen, die Basis für alle Recruiting-Maßnahmen auf XING zu schaffen. Ganz zu schweigen von kununu, dessen Bedeutung größtenteils noch verkannt wird.

Durch die Übernahme von kununu durch XING, den beiden deutschen Schwergewichten in Sachen Arbeitgebermarketing und Personalmarketing, ist ein äußerst schlagkräftiges Konglomerat entstanden.

XING ist DAS Netzwerk für den geschäftlichen Austausch von Kontakten und Informationen in Deutschland. Es ist also kein Facebook für Große, sondern tendiert vom Charakter her eher in Richtung Google+. In der D-A-CH Region umfasst es über 6 Mio. Mitglieder, von denen über 50% zwischen 20 und 39 Jahre alt sind.

Kununu ist mit Insider-Informationen zu über 80.000 Arbeitgebern die wiederum  größte Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum.

Die Frage, die sich ein Arbeitgeber stellen muss, lautet daher nicht: “Muss ich auf XING und kununu präsent sein?”, sondern sie lautet “Kann ich es mir leisten, dort NICHT präsent zu sein?”.

In jeder Personalabteilung sollte also das Thema XING in Kombination mit kununu recht weit oben auf die Agenda gesetzt werden, wenn man sich im “War for Talents” behaupten und fähige neue Mitarbeiter rekrutieren möchte. Angemerkt sei hier, dass XING primär für Professionals interessant ist, weniger für Azubis und Studenten, wobei letztere die Qualitäten des Netzwerkes auch zunehmend zu schätzen wissen.

XING ist nicht gleich Headhunting

Für viele Personaler wird XING mit Headhunting gleichgesetzt. Und da Headhunting was “dubioses” ist, wird damit auch XING in diese Schublade gesteckt. Das ist natürlich Unsinn und gehört schleunigst in den Bereich der Fabeln und Märchen verbannt.

XING ist nicht nur Business-Netzwerk, sondern mittlerweile auch ein Stück weit Social Community mit vielfältigen Anbindungsmöglichkeiten und, mittlerweile eine Seltenheit, einer offenen API-Schnittstelle für Entwickler und Unternehmen:

XING Developer
Quelle: https://dev.xing.com/showcases

XING Share Button

  • eine hervorragende zusätzliche Option für das einfache Teilen von Webinhalten auf XING

XING_share_big_v2

XBook

  • schneller Zugriff auf XING-Kontakte aus dem eigenen Smartphone- oder Tablet-Adressbuch heraus

XING Connector by promerit

  • Integration von XING in das SAP E-Recruiting-System von Unternehmen

XING via Hootsuite

  • Verwaltung des eigenen Accounts über das Social Media Dashboard

XING für Salesforce

  • Integration von XING in das CRM-System

uvm.

Die XING-Radar-App habe ich auch seit längerem auf dem Smartphone installiert, muss jedoch gestehen, dass ich sie ebenso selten nutze wie den XING mobile Handshake, mit dem sich neue Kontakte extrem einfach hinzufügen lassen.

Besonders bemerkenswert finde ich die neueste Option für Nutzer, respektive Bewerber, die einen Lebenslauf aus ihrem XING-Profil erstellen können. Einfach das Profil für lebenslauf.com freigeben, Design wählen und fertig. Einfacher gehts wirklich nicht und es spart enorm viel Zeit.

lebenslauf
Quelle: www.lebenslauf.com

Man kann beobachten, dass die Nutzer ihre Lebensläufe immer besser pflegen und damit eröffnen sich hervorragende Chancen für Personaler. Kandidaten können entweder manuell oder über den Talent Manager gesucht und auch angesprochen werden. Was in anderen Freizeit-Communities wie Facebook eher verpönt ist, wird auf XING in aller Regel geduldet.

Facebook vs. XING/kununu

Doch bevor man als Unternehmen auf XING Recruiting betreibt, muss man erst einmal das eigene Profil auf Vordermann bringen. Und hier haperts bei vielen Firmen noch gewaltig!

Schauen wir uns einmal die Karriere Pages auf Facebook an. Henner Knabenreich hat da dankenswerter Weise auf der Facebook Page “Karriere-Fanpages auf Facebook” eine schöne TagCloud zusammengestellt:

Quelle: Facebook Page "Karriere-Fanpages auf Facebook"
Quelle: Facebook Page “Karriere-Fanpages auf Facebook”

Ich habe einmal mal wahllos einige Unternehmen rausgesucht und mir die Profile sowohl auf XING, als auch auf kununu angeschaut:

Vergleich XING kununu Profile

Was fällt beim Vergleich Facebook, XING und kununu auf?

  1. Viele größere Arbeitgeber haben zumindest ein Basis-Profil auf XING
  2. Die wenigsten pflegen jedoch ein eigenes Profil auf kununu
  3. Oftmals ist nur ein Bruchteil der gesamten Belegschaft bei XING registriert
  4. Die Bewertungen auf kununu werden nicht moderiert, sondern bleiben im Raum stehen
  5. Die Möglichkeit, den Arbeitgeber zu bewerten, hat sich bei deutschen Angestellten offenbar noch nicht weit herumgesprochen

Welche Lehren kann man nun daraus ziehen?

1. Wie eingangs erwähnt, ist XING als Business-Plattform in Unternehmen angekommen, fristet dort allerdings oftmals ein Insel-Dasein. Wenn ein Unternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeitern auf XING mit gerade einmal 100 präsent ist, wird ein Potential nicht gut ausgenutzt: Networking!

Je mehr Mitarbeiter der Firma auf XING angemeldet und aktiv sind, desto stärker verbreiten sich News, Jobangebote und desto eher werden potentielle Bewerber auf das eigene Unternehmen aufmerksam. Teure Marketingmaßnahmen auf Jobbörsen kann man sich dann schenken, denn die Mitarbeiter tragen als Multiplikatoren die Botschaft weiter.

Was also tun, um das Word-of-Mouth-Potential zu erhöhen? Die Mitarbeiter in XING schulen und Gutscheine für Premium-Accounts anbieten. Wichtig ist, es nicht zum Pflichtprogramm werden zu lassen, denn nicht alle Angestellte sind affin für Social Media.

Was man oft beobachten kann, ist ein Wildwuchs an Unternehmensprofilen auf XING, denn wenn die Mitarbeiter den Firmennamen falsch oder anders schreiben, dann wird automatisch ein Standard-Profil auf diesen Namen erstellt. Dem Suchenden offenbart sich dann eine Liste von Profilen, von denen nur eines das Offizielle ist, siehe Dr. Oetker – hier ist das offizielle Standard-Profil erst auf Seite 2 der Unternehmens-Suche zu finden.

Dr Oetker XING Suche Seite 1
Quelle: XING
Dr Oetker XING Suche Seite 2
Quelle: XING

 

2. Jeder Besucher des Unternehmensprofils auf XING findet jetzt sehr schnell die kununu-Bewertungen. Außerdem betreibt kununu für registrierte Unternehmen automatisch SEO-Maßnahmen, sodass jeder Suchende immer öfter bei der Suche nach einem Unternehmen oder einer Stelle die entsprechende Arbeitgeberbewertung findet. Als registriertes Unternehmen hat man eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich als Arbeitgeber zu präsentieren (Employer Branding) und Bewertungen auch zu moderieren. Jede, oder sagen wir, fast jede Bewertung enthält für die Personalabteilung wertvolle Informationen und ist für den Suchenden ein erster Hinweis, wie es denn hinter der polierten Fassade aussieht. Da auch viel Kritik geübt wird, ist es natürlich mehr als ungünstig, diese einfach so im Raum stehen zu lassen.

Hier gilt, nicht entschuldigen, aber Stellung beziehen und dem Suchenden ein positives Gefühl vermitteln. Den abgelehnten Bewerber oder gekündigten Mitarbeiter wird man dadurch sicherlich nicht umstimmen, das spielt aber auch keine Rolle.

Wer ein gutes Personalmanagement hat, sollte offensiv mit den beiden Plattformen umgehen, diese also intern auch aktiv vermarkten. Bei wem es noch klemmt, der sollte natürlich vorher bekannte Schwachstellen beseitigen. Danach ist es ein dynamischer Prozess, bei dem Kritik konstruktiv aufgenommen und umgesetzt werden muss.

XING und kununu – enormes Potential für jedes Unternehmen

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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