Auf dem Smartphone habe ich die App schon lange, Shazam. Der Musikidentifikationsdienst hat mir schon einige Titel und Interpreten von Songs ausgespuckt, die ich gerade im Radio gehört habe. Nun aber läuft mir Shazam auch zunehmend im TV über den Weg, in Werbeeinblendungen. Doch ist das wirklich eine gute crossmediale Idee und wie kann so ein Erlebnis per Second Screen aussehen? Am Beispiel von Samsung kann man erkennen, dass die Realität noch weit hinter den Möglichkeiten hinterherhängt und es nicht hilft, so etwas übers Knie zu brechen.

Doch zuerst – Was ist Shazam?

Jedes Musikstück oder Audiofile besitzt einen eindeutigen Fingerabdruck, der in Form eines reprodzierbaren Hash Tokens mitgeliefert wird. Wenn mich meine bescheidenen Informatikkenntnisse nicht im Stich gelassen haben, dann ist der Hash Token eine Prüfsumme bei der Datenübertragung, die dafür sorgt, dass die Datenpakete auch so wiedergegeben werden, wie sie gesendet worden sind (man möge mich bitte korrigieren, wenn ich falsch liege).

Shazam hat nun eine Datenbank von über 1,8 Mio. Dateien, mit denen dann der über das Smartphone aufgenommen Hash Token verglichen wird. Wird die Sequenz gefunden, ist das Lied identifiziert. Eine geniale Sache, die mit jedem Audiofile funktioniert.

Shazam

Samsung feat. Shazam – eine Odysee

Als ich die Werbung im TV mal nicht weggezappt habe, habe ich einen Spot gesehen, wo ich darauf hingewiesen wurde, mir doch mein Smartphone zu schnappen und ein paar Sekunden später einen Spot über Shazam zu taggen, wie es in der Shazam-Fachsprache heißt. Anfangs war ich zu langsam und habe es nicht geschafft, in der kurzen Zeit an mein Smartphone zu kommen, die App aufzurufen und den Button zu drücken. Die Werber glauben wahrscheinlich, dass jeder Zuschauer sein Mobile Phone immer griffbereit hat und nur darauf wartet, dass endlich einmal ein Spot zu taggen ist. Naja, wie auch immer, eines Tages hat es geklappt und ich habe einen Spot von Samsung zum Smart TV getagged. Ein wenig aufgeregt war ich ja schon, bieten sich hier doch für Werbetreibende ungeahnte neue Möglichkeiten. Denn so wie Shazam die Verbindung zu einem Musikstück herstellt, kann es natürlich auch jeden anderen belieben Inhalt in seiner Datenbank dann auf dem Smartphone ausgeben. Ähnlich wie QR- und Barcodes, wo ich Bilder, URLs und Text codieren kann.

Ich tagge also den Samsung-Spot und bekomme das:

Samsung Shazam Tagging

Ah ja, denke ich mir. Wenn ich also einen Samsung TV kaufe, spare ich bares Geld. Nur kaufe ich leider keinen neuen Fernseher über mein Smartphone und auch nicht über mein Tablet, denn da funktioniert Shazam natürlich auch. Ich gehe dafür, altmodisch wie ich nun einmal bin, in den Laden und schaue mir das Teil an. Aber vielleicht bekomme ich ja einen Code, mit dem ich dann im Fachgeschäft die Prämie einlösen kann? Ich bin gespannt und tippe auf die Anzeige.

Doch irgendwie scheinen sich die Vorstellungen von Samsung nicht so recht mit meinen Erwartungen zu decken, denn ich gelange erst einmal auf eine klassische Kampagnen-Website.

Samsung Smart TV

„Wagen Sie Grosses“ wird mir da offeriert – hey klar, dafür bin ich ja hier. Okay, wo geht’s lang? Wo bekomme ich denn nun meinen Code für die Prämie? Erst einmal finde ich nichts, aber ich bin ja neugierig und scrolle weiter und weiter und weiter.

Ah Schritt 1: Smart TV Modell wählen

Schritt 1 - Samsung Smart TV auswaehlen

Klar – macht ja Sinn, denn ich muss ja vorher wissen, was ich eigentlich will. Ich bin faul und tippe auf den Ersten in der Liste: LED F8090 / 75“

Schritt 1-2 auswaehlen

Die Seite verwirrt mich etwas, aber ich tippe mal auf Saturn, denn da gehe ich auch sonst ab und an einkaufen. Dann bin ich schon einmal im Online Shop von Saturn und sehe auch den Fernseher, den ich mir ausgesucht habe. Saturn sagt mir, dass ich nur den Gutscheincode „SAMSUNG3“ eingeben muss, um bei 8.000€ Kaufpreis 250€ zu sparen. Aber eigentlich sind mir 8.000€ für einen Fernseher doch zu happig – es muss doch auch billiger gehen. Also zurück zu Samsung und einen günstigeren Fernseher ausgesucht. Wohlgemerkt sind wir hier immer noch bei Schritt 1. Ich suche mir also den LED F7090 aus, wo mich nur 150€ Prämie erwarten. Aber immer besser noch als in die hohle Hand … na ihr wisst schon. Die Liste der Händler wird da schon um einiges größer und ich suche mir den Online Shop von ALTERNATE aus. Kenn ich zwar nicht, aber Versuch macht klug.

Schritt 1-4 Alternate

Nun stecke ich leider auf einer Seite, die mich nicht wirklich weiterbringt. Saturn hat mir zumindest schon einmal den Gutschein-Code verraten, den ich eigentlich auf der Samsung-Seite zu finden hoffte. Der Alternate-Shop passt in seiner Größe irgendwie nicht auf mein „winziges“ S4-Display und trotz vertikalem und horizontalem Scrolling finde ich keinen Hinweis auf einen Gutschein-Code. Der Bubble zur „150€ Cashback Aktion“ bringt mich irgendwie auch nicht weiter. Denn wenn ich auf die Aktion von Samsung klicke, zeigt er mir in einem iFrame wieder die Seite, wo ich angefangen habe.

Schritt 1-5 Cashback

Jetzt verliere ich langsam die Lust an dem ganzen Hin- und Her. Aber ich erinnere mich – ich war ja eigentlich erst bei Schritt 1. Wo ein Schritt ist, sind meist auch mehrere, also suche ich doch einfach mal auf der Samsung-Seite nach Schritt 2.

Schritt 2: Händler finden und XXL Smart TV kaufen

Schritt 2 Haendler finden

Yeah, das will ich doch schon die ganze Zeit. Was dauert denn das auch so lange?

Ich gebe Dresden ein und nach ein paar Usability-Problemen (meine Tastatur verschwindet nicht wieder, nachdem ich auf öffnen geklickt habe und irgendwie fetzt der große Zoom jetzt auch nicht, weil ich nichts sehe) offeriert mir Samsung eine Liste mit Fachgeschäften für TV und HiFi in Dresden. Wow!

Gut, denke ich mir – jetzt weiß ich wo ich hingehen muss. Doch wie bekomme ich nun den Gutscheincode. SAMSUNG3 hatte ich mir gemerkt, aber ob der auch Offline gilt? Ich zoome wieder kleiner und finde den Schritt 3.

Schritt 3: Registrieren und Entdeckerprämie sichern

Schritt 3 registrieren

Mit dem Entdecker haben sie es wirklich genau und wörtlich genommen, geht mir so durch den Kopf. Denn ohne Entdecker-Gen wäre ich schon längst wieder verschwunden. Aber der Indiana Jones in mir sagt: mache weiter … los. Okay, ich mag mich registrieren, obwohl mir der Sinn dahinter nicht ganz klar ist. Mein Teufelchen links zwickt mir aber ins Ohr und mault: tu es!

Schritt 3-1 registrierenSchritt 3-2 registrieren

Und was nun – ich bin auf einmal auf einer neuen Seite: mehrwertpaket.info und nach einem weiteren Klick komme ich zu markenmehrwert.com, wo mich eine Brünette angrinst und mich fragt, ob ich Fragen habe. Eigentlich habe ich nur eine: Wo ist mein Ladekabel? Denn mein Akku macht langsam schlapp bei dem ganzen Gemehre – hätte vor der Odyssee noch einmal nachladen sollen, aber kann ja keiner ahnen, das das so lange dauert.

Statt mit mir zu reden, verweist mich das Wesen auf eine so was von nicht mobil nutzbare Seite, dass ich mir jetzt sage: Nö! Nun reicht es.

Schritt 3-3 registrieren

Ich bin ein geduldiger Mensch, aber wenn ich nach gefühlten 100 Klicks und 10 neuen Seiten immer noch nicht meinen Samsung-Gutschein-Code habe, dann soll es halt nicht sein. Vielleicht gibt es ja Menschen, denen 1h ihres Lebens 150€ wert sind, mir irgendwie nicht. Ich gehe noch einmal zurück und klicke aus Frust auf “Benutzerkonto anlegen”, aber nach einem Blick auf das endlos erscheinende Formular und mit dem Gefühl im Bauch, dass ich mich jetzt irgendwo registrieren soll, nur nicht bei Samsung, verlasse ich den Irrgarten und mach mir ein Bier auf….Prost!

Samsung, Sie wurden shazamisiert!

Samsung und Shazam im Second Screen – what a Worst Case!

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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