Es gibt sie, die Seiten auf Facebook, wo sich der Consultant fragt: „Damned, wie geht das?“. Und der Kunde sagt: „Das will ich auch!“. Und der Community Manager rauft sich die Haare und denkt: „Mist, und ich bin jetzt der Blöde, der das machen muss“.

So eine Seite ist jetzt wieder wie aus dem Nichts aufgetaucht und sie hört auf den vielversprechenden Namen: „Things Agenturleute don´t say

Am 12. Juni wurde die Seite veröffentlicht und zählt aktuell unglaubliche 10.210 Fans. Tendenz stark steigend. Nicht nur das Fanwachstum ist beeindruckend, auch die Interaktionsrate. Über 10.000 Fans haben in der vergangenen Woche mit der Seite interagiert.

Da frag ich mich doch – wie bitte schön geht das??

Agenturleute hören und lesen sich gern

Zuerst einmal wird hier eine Zielgruppe angesprochen, die per se schon sehr mitteilungsfreudig, um nicht zu sagen, extrovertiert ist. Agenturleute teilen sich gern mit, lesen sich gern und sind gern „involved“. Ein Agenturmensch loggt sich lieber für 15min mal aus Facebook aus, als zugeben zu müssen, dass er das hippe Ding in Town noch nicht kennt.

Agenturleute sind einfach

Agenturmenschen sind im Grunde ihres Herzens einfach gestrickt und irgendwie auch Kinder geblieben. Sie erfreuen sich an den einfachen Dingen des Lebens, zum Beispiel an Cat Content. Und genau das bietet die Seite, Bilder mit ein bisschen Text. Das ist einfach zu verstehen, einfach zu teilen und lässt sich selbst im schlimmsten Pitch-Stress merken.

Agenturleute sind überall und nirgends zu finden

Hier ein Like, dort ein Share und da ein Account – ein Agenturmensch will überall seine Spuren hinterlassen. Jedes Netzwerk, jede App und jedes Tool wird erst einmal assimiliert, um es nur kurze Zeit später wieder in den unermesslichen großen Ordner „tbd“ zu schieben. Dort verweilt es dann ein Äon lang und ward nie mehr in den Browser-Logfiles gesehen.

Das ist das ganze Geheimnis dieser Seite. Sie war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat die richtige Zielgruppe mit der richtigen Contentstrategie angesprochen. That´s it! Ach so – der Inhalt. Ja der Inhalt ist wenig gehaltvoll. Es geht um beliebte Phrasen im Agenturalltag, allerdings ins Gegenteil verkehrt, quasi Bullshit-Bingo, aber von hinten. Fans können eigene Sprüche vorschlagen, die werden dann just in time in eine Bild gepackt und mit Verweis auf den Urheber gepostet. Interaktiv dynamisches Community Management par excellence!

Hitzefrei Noch nie gemacht Work-Life-Ballance

Bleibt trotzdem die Frage nach dem Initiator. Gerüchten zufolgen kommt der auch aus der gleichen Branche, der Agenturbranche. Man munkelt, dass die PR-Agentur fischerAppelt wohl etwas damit zu tun haben könnte. Die Profilbilder jedenfalls ähneln sich schon erstaunlich stark.

Agenturleute FischerAppelt

Man munkelt auch von einem Battle und da dazu immer mindestens zwei gehören, gibts natürlich auch noch eine Seite für die PR-Geeks “Things, PR People don´t say“. Ob hier der Flötenspieler im Hause Ketchum Pleon zu suchen ist? Man weiß es nicht genau.

Aber Moment, da ist ja noch mehr!

Wer sich jetzt meint, das Phänomen beschränke sich nur auf die Agentur- und Presseleute, der irrt gewaltig :-)

In den letzten Wochen gab es eine Flut von neuen Seiten, die alle mit “Dinge, die…“ (Anmerkung1: “… die Welt nicht braucht” / Anmerkung2: die Seite gibts leider auch schon) beginnen:

Things, Domainer don´t say

Dinge, die ein BWL-Student nicht sagt

Dinge, die ein Chemie-Student nicht sagt

Dinge, die ein Werber nicht sagt

und…

und….

und……

Die Liste ließe sich endlos weiterschreiben.

Alle mit mehr oder weniger dem gleichen “Konzept”, dem gleichen Intro-Text und dem gleichen Fanwachstum. Was zeigt uns das? Der Student, der Werber, der Domain-Hoster…alle sind irgendwie gleich gestrickt. Dass ist auf der einen Seite gut zu wissen, das alle Menschen gleich sind und sich Agenturleute nicht von anderen Menschen unterscheiden. Sie lassen sich mit den gleichen einfachen Mechanismen manipulieren und fallen immer wieder auf die gleichen Maschen herein. Andererseits ist es auch recht gruselig, wie leicht sich Menschen beeinflussen lassen.

Da die meisten dieser Seiten Anfang Juni 2013 ins Leben gerufen wurden, lässt sich nur eine Schlussfolgerung ableiten. Wir haben es hier mit einer Verschwörung zu tun.

Gut, alternativ habe ich noch eine zweite Schlussfolgerung: Da will jemand einen richtigen Reibach machen und bedient sich dazu mit einfachsten Mitteln der Schwarmintelligenz der Facebook-Nutzer. Denn was passiert in der Regel, wenn man eine Seite ohne wirklichen Inhalt richtig groß gemacht hat? Man verkauft sie! Ob nun fischerAppelt oder Ketchum Pleon oder eine andere 2.0 Schmiede dahintersteckt und sich einen eigenen viralen Case baut oder ob die nur auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, werden wir sehen. Oder auch nicht.

Also immer schön weiterliken, sharen und kommentieren, denn das bringt zum Schluss bares Geld oder einen richtig guten Best Practice Case als Argument FÜR Facebook als Marketinginstrument.

Wer so sagt

Kuriositätenkabinett Facebook – es geschehen seltsame Dinge

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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4 Gedanken zu „Kuriositätenkabinett Facebook – es geschehen seltsame Dinge

  1. Doch die Beispiele zeigen in der Tat, dass man zielgruppenspezifisch Leute involvieren kann und das von heute auf morgen. Mit Inhalten die sehr eckig sind, angriffslustig und locker rausposaunt. So ganz dumm, finde ich das gar nicht, mal abgesehen davon, dass ich persönlich die Inhalte natürlich ansprechend finde. Doch ich denke sie wären adaptierbar. Nimm doch mal die Duale Hochschule Baden-Württemberg (https://www.facebook.com/DerDualeStudent) Die performen schon länger auf einer ähnlichen Idee. Und es klappt.

    1. Da bin ich vollkommen bei Dir. Wie ich ja auch geschrieben habe, kann man mit der richtigen Strategie und einem sehr guten Zielgruppenverständnis richtig gutes Social Media machen. Eigentlich ganz einfach :-)

  2. Ich bin letztens auch so einer Seite beigetreten und fand`s mega witzig. Als ich dann immer mehr andere Seiten davon gesehen habe, war es auch schon wieder uncool…
    Die Seite, die ich geliked habe, hatte in den ersten 2 Wochen sehr viele Posts, mittlerweile nicht mal einen Post täglich. Kurzfristig ein cooler Hype zur Belustigung, wie ein kleines FB-Spielchen. Für mich eine Eintagsfliege!
    Und das Allerbeste: mein Post wurde nicht veröffentlicht :-/

  3. Diese Seiten erleben echt einen unglaublichen Hype ich kann das aber gut nachvollziehen in einigen Seiten kann man sich echt wiedererkennen und die Sprüche sind echt lustig. Ich habe sogar Seiten gefunden wie z.B http://www.niemalssagen.de die sich nur mit diesem Sprüchen beschäftigen, das hat natürlich den Vorteil das man nicht auf Facebook sein muss

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