Jeder Facebook Nutzer hat in den vergangenen Tagen eine Mail bekommen, indem ihm die Abschaltung einer bis dato recht guten Sicherheitsvorrichtung angekündigt wurde, die Auffindbarkeit der Chronik über die Suche nach dem Namen. Man konnte bislang in den Privatsphäreeinstellungen ausschließen, dass die eigene Chronik über die Suchfunktion bei Facebook gefunden werden kann. Im Übrigen ist das eine weit verbreitete Schutzfunktion vor lästigen Spannern und Spamern, da es denen so erschwert wird, meine Seite zu finden.

Immerhin informiert Facebook jetzt den Nutzer über geplante Änderungen:

„Jan, weißt du schon, dass wir die Einstellung „Wer kann deine Chronik über den Namen finden“ entfernen?

Diese Einstellung hat bislang festgelegt, ob Nutzer deine Chronik über die Suche nach deinem Namen finden konnten. Wir entfernen die Einstellung, weil sie nicht mehr so nützlich ist wie früher und es inzwischen bessere Methoden gibt, deine Privatsphäre mithilfe deiner Privatsphäre-Verknüpfungen festzulegen.“

Ja, Facebook, das weiß ich, denn ihr habt es mir ja bereits gemailt. Das ändert aber nichts daran, dass ich es nicht gut finde und irgendwie auch nicht richtig nachvollziehen kann.

„Wir entfernen eine alte Facebook-Einstellung mit der Bezeichnung „Wer kann deine Chronik über den Namen finden“. Über diese Änderung möchten wir dich gerne genauer informieren.“

Das ist nett!

„Was sich ändert:  Wir entfernen eine alte Sucheinstellung mit der Bezeichnung „Wer kann deine Chronik über den Namen finden?“ – das ändert jedoch nichts daran, wer deine Beiträge auf Facebook sehen kann.“

Na das wärs ja auch noch!

„Was hat diese Einstellung bewirkt?

Über „Wer kann deine Chronik über den Namen finden?“ wurde bislang festgelegt, wer durch Eingabe deines Namens in die Suchleiste deine Chronik finden konnte.“

Fand ich immer recht gut und habe diese Option auch stets genutzt und dies auch anderen, zum Beispiel den Schülern beim Workshop „Social Web macht Schule”, empfohlen.

„Was passiert, wenn die Einstellung entfernt wird?

Jeder kann über deinen Namen nach deiner Chronik suchen – aber wenn jemand deine Chronik aufruft, sieht er nur die Inhalte, die du für ihn freigegeben hast. Durch die Entfernung dieser Einstellung ändert sich nichts daran, wer deine Fotos, Statusmeldungen oder andere von dir geteilte Inhalte sehen kann.“

Genau, dann sieht jeder meine Chronik. Ich muss also noch stärker als bisher darauf achten, wem ich meine Beiträge freigebe. Da immer die letzte getroffene Einstellungen gespeichert bleibt, muss man echt aufpassen, wenn man ausnahmsweise mal einen Post „öffentlich“ stellt. 

„Warum entfernt Facebook diese Einstellung?

Als wir diese Einstellung eingerichtet haben, konntest du nur über die Suche nach deinem genauen Namen gefunden werden. Jetzt können Nutzer deine Chronik auch auf andere Arten finden, z. B. wenn dich ein Freund auf einem Foto markiert, das mit deiner Chronik verlinkt ist, oder wenn Nutzer Begriffe wie „Personen, denen die Beatles gefallen“ oder „Personen, die in Seattle wohnen“ in die Suche im Social Graph eingeben.

Inzwischen bieten deine Privatsphäre-Verknüpfungen (zum Aufrufen einfach auf das Schlosssymbol oben auf jeder Facebook-Seite klicken) die beste Methode, um festzulegen, wer deine Informationen sehen kann und mit wem du neue Fotos und Statusmeldungen teilst.“

Und nur, weil die Funktion nicht mehr ganz so viel Sinn macht, wird sie entfernt? Also wenn ihr irgendwann annehmt, dass sowieso alle Beiträge von allen gelesen werden sollen, entfernt ihr auch noch diesen Schutzmechanismus? Hat diese Button jetzt zuviel Speicher gefressen oder Codezeilen beansprucht, dass er auf einmal wegfällt? Sorry, ich kapier es gerade nicht?

„Was passiert als nächstes?

Hier sind einige Dinge, die du unternehmen kannst, um deine Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen:

Wenn du das Publikum für Inhalte, die du in der Vergangenheit geteilt hast, schnell auf Freunde beschränken möchtest, rufe deine Privatsphäre-Einstellungen auf.

Jedes Mal, wenn du ein neues Foto, einen Link oder eine Statusmeldung teilst, kannst du die Privatsphäre für den jeweiligen Beitrag festlegen.

Du kannst sehen, was du in der Vergangenheit geteilt hast und wer diese Informationen sehen kann, indem du dein Aktivitätenprotokoll aufrufst. Mit einem Klick auf Schlosssymbol oben auf einer beliebigen Seite gelangst du zu deinen Privatsphäre-Verknüpfungen und kannst von dort dein Aktivitätenprotokoll öffnen.

Wenn du keine weiteren Erinnerungen erhalten möchtest und bereit bist, dass Facebook diese Einstellung entfernt, kannst du auf „Ok, verstanden“ klicken, damit diese Info nicht mehr angezeigt wird.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diese Nachricht zu lesen, und dass du ein Teil von Facebook bist.“

Das Fazit für mich ist hier ganz klar: Facebook hat kein Interesse an Privatsphäre. Facebook wäre es am liebsten, wenn alle Daten offen und für jeden zugänglich sind. Denn nur dann kann Facebook seinen großen Traum eines weltumspannenden zentralen Informationsnetzwerkes verwirklichen. Nur der gemeine User spielt da nicht richtig mit, deshalb wird dieses Ziel etappenweise und gaaaanz vorsichtig angegangen. Hier ein neues Update, da ein weggefallenes Feature und so langsam aber sicher nähern wir uns dem Endziel. Gerade für jüngere Nutzer werden die Fallen immer breiter, in die sie tappen können. Zuerst entfernt Facebook die Einstellung, dass unter 18jährige Inhalte nur für ihre Freunde und nicht für die Öffentlichkeit freigeben können und jetzt auch noch den Schutz der Auffindbarkeit über die Suche. Aber Facebook sieht das locker und hat sicherlich einen ganzen Stapel voller empirischer Studien, die diese Aussage belegen:

“Teens are among the savviest people using social media, and whether it comes to civic engagement, activism, or their thoughts on a new movie, they want to be heard. So, starting today, people aged 13 through 17 will also have the choice to post publicly on Facebook. “

Sorry, Facebook – aber das ist BULLSHIT! Jugendliche wissen sehr oft überhaupt nicht, was sie im Netz tun und sind alles andere als versiert im Umgang mit Social Media. Aber das geht auch vielen Erwachsenen so, weshalb es Schutzmechanismen braucht und jemanden, der darüber informiert und Hilfestellung leistet. Aber das wollte ihr ja offensichtlich nicht sein. Von “Social” kann ich bei euch nicht mehr viel erkennen, tut mir leid!

Facebook – das “Unsocial Network”

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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11 Gedanken zu „Facebook – das “Unsocial Network”

  1. Ich trage mich seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, mein privates Facebook-Profil (zu) löschen (lassen). Google+ wird dann wohl bald folgen. Dafür baue ich meine Blog wieder aus. Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann dort lesen und kommentieren und den RSS-Feed abonnieren. Aber auf diese Netzwerke habe ich so keinen Bock mehr.

    1. Nein, denn Google+ hat nicht dem spielerischen Charakter wie Facebook, sondern ist eher auf geschäftsmäßige Konversation ausgelegt. Path war einmal mein heißer Favorit, bevor sie das meine Kontaktliste ohne Freigabe gescannt haben. Disapora ist leider vom Markt. Ich sehe grad keine Alternative, aber was nicht ist, kann ja noch werden :-)

  2. Die Konsequenz. Immer mehr Leute löschen ihre privaten Profile und die “Werber” gucken in die Röhre: Die Zielgruppe ist ja schlicht weggelaufen. Und dann kann man höchstens noch andere Business-Profile finden und mit denen in Kontakt treten. Das mangelnde Datenschutz-Bewusstsein war und ist schon immer ein Problem bei Facebook. Ich finde aus Business-Sicht tatsächlich Google+, Twitter, Blogs und Fachportale besser, wir haben Facebook konsequent aus unserer Strategie ausgeschlossen.

    1. Geht mir ähnlich. Wobei ich wahrscheinlich erst einmal mit der mobile App anfange. Die verlangt bei jedem Update mehr Freigaben und Zugriffsberechtigungen, sodass ich langsam echt Bedenken habe, die zu aktualisieren, geschweige denn, sie weiterhin installiert zu lassen.

  3. wovor hast du denn angst? dass dein chef deine partybilder vom vorabend sieht? ich bitte dich… hör doch mal auf, auf diesem boulevard-niveau rumzulamentieren. du weißt doch eigentlich genau so gut wie ich, dass alles was du in dieses formularfeld eintippst, für immer in den datenbanken von herrn zuckerberg eingebettet wird, und du es damit vollständig aus den händen gegeben hast.

    facebook ist die öffentlichkeit. was nicht für die öffentlichkeit gedacht ist, darf nicht auf facebook. und das solltest du als sogenannter social media experte ;) als erster wissen und dieses wissen auch weiterverbreiten. rumgejammer über irgendwelche abgeschafften pseudofeatures sind völlig unangebracht, denn erstens ist facebook keine demokratie und zweitens nutzt du es freiwillig, obwohl es alternativen gibt.

    statt über facebook zu jammern solltest du lieber diese alternativen an den mann bringen. propagiere diaspora, movit und buddycloud. erzähl den leuten, wie sie ihre mails verschlüsseln sollen und mach ihnen klar, dass facebook nicht das internet ist. und auch google+ nicht.

    wir müssen hier mal bißchen vorankommen, und da solltest du dich mit in die erste reihe stellen.

    1. Ruhig Blut :-) mir gehts mehr darum, anderen die Augen zu öffnen. Genauso, wie ich es mit dem Schülern mache. Ich jammer nicht, ich stelle fest und prangere an. Natürlich halte ich die Augen nach Alternativen auf und poste auch darüber, wenn ich m.M. nach welche gefunden habe (siehe queo Blog). Diaspora gibt es meines Wissens nicht mehr und andere habe ich noch nicht gefunden. Ich habe meinen Weg bei Facebook gefunden – alles was ich dort poste umd platziere, ist Small Talk und vielleicht hier und da ein wenig Rant ;-)

      Danke für den sogenannten “Social Media Experten” ;-)

      1. wenn die von dir geöffneten augen aber nur facebook im blick haben, haste ihnen nicht geholfen. das gejammeranprangern suggeriert, dass irgendjemanden dort deine meinung interessiert. das ist, wie wenn du dich bei der bildzeitung über die mangelhafte seriösität der zeitungsartikel beschweren würdest. du bist dort das produkt, nicht der kunde. das musst du deinen schülern erzählen. und dann musst du ihnen erzählen, dass vermeintliche alternativen wie google+, instagram oder whatsapp eben genau das nicht sind. denn auch dort wird alles dafür getan, dass du immer mehr über dich und deine lebensweise preisgibst, denn das kann man gut verkaufen. irgendwie müssen sich die ganzen serverfarmen ja bezahlt machen und die investoren nerven auch ständig rum.

        die wirklich echte alternative ist der dezentrale ansatz. jeder (oder zumindest möglichst viele verschiedene) betreiber eines knotenpunkts ist teil eines großen netzwerks, in dem nur die informationen durch die gegend fließen, die der nutzer durch die gegend zu fließen wünscht. privatsphäreeinstellungen machst du per definition. partyfotos von gestern abend liegen auf deinem rechner und solange du sie nicht per mail an deinen chef schickst, weiß der auch nichts davon.

        diaspora gibt es natürich noch und wird „von der community“ aktiv weiterentwickelt. nur der von den ursprünglichen entwicklern gehostete pod joindiaspora.com ist tot. aber wie dort noch zu lesen ist, war das ja nur ein pod von vielen. weitere systeme dieser art sind wie gesagt movim und buddycloud und es gibt noch mehr.

        man munkelt gar, es sei ein protokoll in planung, mit dem nicht nur innerhalb der jeweiligen netzwerke sondern sogar zwischen ihnen hin und her geliked, geblogt, gekuckt und was auch immer gemacht werden kann. so wie früher, als man noch seine mails von ich@abc.de an du@ganzwasanderes.net schicken konnte, ohne dass ein einziger anbieter dir vorschrieb, dass du dich nur innerhalb seines netzwerkes aufhalten sollst.

        rants über facebook sind immer gut, aber sie müssen hand und fuß haben und nicht darauf ausgerichtet sein, dass du irgendwas von denen willst, weil du dich so eingerichtet hast dass es nicht mehr anders geht. genau da wollen sie dich nämlich haben und dann hast du längst verloren. also geh zu deinen schülern und erzähl ihnen, dass das internet bunt, vielfältig und dezentral ist.

        und falls du eitsch-pi friedrich zufällig über den weg rennst, ihm auch ;)

        1. ich glaube, Du hast mich nicht verstanden. Glaubst Du wirklich, ich gehe davon aus, dass Facebook etwas von dem interessiert, was ich hier schreibe? Für so naiv hältst Du mich jetzt nicht wirklich, oder?

          Die Schüler sind bereits mit 13, 14 Jahren in mehr Netzwerken angemeldet als Du und ich. Sie geben einen feuchten Sch… darauf, was Erwachsene ihnen sagen und solange weiterhin über 90% ihrer Freunde bei Facebook und WhatsApp und Instagramm und Youtube und Skype und G+ und was weiß ich nicht noch alles sind, bleiben die da auch. Das einzige, was wir ihnen mitgeben können ist, sensibel mit ihren Daten umzugehen. Und immer wieder Eltern, Geschwister und Lehrer u.a. mit solchen Posts mit der Nase drauf zu stoßen, dass sie auch ein Auge mit drauf haben sollen.

          Und was das Ranten angeht und das argumentationslose Verurteilen von Dingen, damit kennst Du Dich ja auch recht gut aus ;-) ich sag nur: “man könnte sich über diesen dilettantischen spinner permanent kaputtlachen, wenn es nicht so bitterernst wär.” Also anstatt hier zu kritisieren, mal fix an die eigene Nase fassen!

  4. falls sich das gespräch jetzt in richtung ranting über friedrich und der frage, ob bei ihm argumentation noch notwendig ist, entwickelt, sollten wir das vielleicht zu mir rüber verlagern ;)

    ansonsten hab ich dich vielleicht insofern falsch verstanden, dass ich den tenor deines texts zu ernst genommen hab. ein bißchen mehr gezwinker und dafür etwas weniger fettgedrucktes bullshit!!!einself als stilmittel würden das besser untermalen. wie gesagt: es spricht nichts gegen einen gepflegten facebook rant. man sollte eben zwischen den zeilen lesen können, dass du auch gut und gerne auf das angebot verzichten könntest. man hört und liest eben leider viel zu häufig von leuten, bei denen facebook zum nabel der welt geworden ist. und das prangere ich an!

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