Social Media Marketing bedeutet Think Big: Hauptsache, alle Kanäle bespielen, von Facebook bis WhatsApp …. könnte man meinen

Der Denkprozess in Unternehmen, wie die Botschaften und die Marke im Social Web grundsätzlich positioniert werden, beginnt leider oft mittendrin, nämlich bei Facebook und Twitter. Doch die Wahl der Kanäle steht in der strategischen Vorüberlegung erst relativ weit hinten. Von daher bin ich immer sehr skeptisch, wenn ich Blogposts lese, in denen von einem Erfolgsrezept mit Social Media und Corporate Blogs die Rede ist, und die dann recht schnell den Fokus auf Facebook und Twitter legen.

Ich habe daher den Beitrag von Holger Gassenschmidt sehr genau gelesen, weil er an manchen Stellen genau diesen Fehler unkommentiert lässt.

Hochmut kommt vor dem Fall

Wer tatsächlich noch glaubt, dass Content Marketing und speziell Social PR ein Kinderspiel und nicht der Rede wert seien, der hat ein paar Jahre verschlafen. Die Kommunikation mit Nutzern und der Aufbau einer langfristigen und nachhaltigen Content Strategie mit Social Media Anteil ist schon anspruchsvoll und bedarf einiger Vorarbeit.

Was passiert denn, wenn man einfach mal so anfängt und sich gleich auf die Kanäle stürzt? Nach der Einrichtung eines Facebook-Accounts oder Corporate Blogs schlägt dann dank schlechter Vorbereitung relativ schnell die Ernüchterung zu und die Aktivitäten werden auf Sparflamme zurückgefahren, weil sich die falschen Erwartungen nicht erfüllen. Social Media braucht eben seine Zeit, um erfolgreich sein zu können. Wobei es selten am Kanal und niemals an den Nutzern liegt, sondern schlichtweg am falschen oder fehlenden Content und der falschen Strategie mit den falschen Erwartungen. Ein schneller Return on Investment wird sich im Social Web nur sehr selten einstellen.

Ganz im Gegenteil – die Kommunikation im Netz ist von Vertrauen geprägt und das muss sich ein Unternehmen erst einmal erarbeiten.

Vertrauen durch gute Inhalte

Will man das Vertrauen seiner Zielgruppe durch Kommunikation gewinnen, bedarf es einer guten Kenntnis über die Informationen, die sie konsumieren wollen und auch darüber, wie sie sie bevorzugt konsumieren. Kommunikation ist nicht nur Text, sondern auch Bild, Audio und Video. Es gilt also, die Frage zu beantworten:

Wie kann ich meinen Lesern und Interessenten Mehrwert bieten?

Der Hang zur Vertriebsbotschaft ist oftmals groß. Wenn es nach Vertrieb, Marketing und Geschäftsleitung geht, sollte am besten jeder Post mit einem Call to Action gespickt werden und sofort die gesammelten USPs präsentieren. Kann man machen …. muss man aber nicht. Viel wichtiger sind die Botschaften, die in den Inhalten vermittelt werden. Denn die erreichen die Nutzer auch ohne Vertriebskeule, wenn sie denn geschickt verpackt sind. Die Nutzer sind nicht mehr auf nur eine Quelle angewiesen und schon gar nicht auf solche, die ihnen nur etwas verkaufen wollen. Die Nutzer sind zunehmend wählerischer, misstrauischer und besser vernetzt, sodass man mit den falschen Inhalten oder nicht erfüllten Erwartungen manchmal nicht nur den einen Nutzer verliert, sondern gleich ein ganzes Netzwerk verprellt.

Wichtig ist es also, wertvollen, exklusiven, spannenden Content zu bieten – die Conversion kommt dann fast von allein.

Gefahr der Selbstüberschätzung

Twitter ist ein Realtime-Kommunikationsmedium … YEAH! ! Aber wer bitte schön hat die Ressourcen im Unternehmen, auch wirklich in Echtzeit zu antworten? Das schaffen nicht einmal Call-Center und Live-Chats, wie sie jetzt auf vielen Websites angeboten werden. Da sollte man tunlichst den Gedanken verwerfen, man könne Twitter als Echtzeitmedium verwenden, um Vertrauen und Nähe zu schaffen und sofort auf Anfragen zu reagieren.

Genauso unrealistisch ist es, wenn man sich jedes Netzwerk ans Bein bindet, was gerade populär ist. Neben Facebook, Twitter, Google+ am besten noch WhatsApp, Instagram und SnapChat. Das wird niemals funktionieren, es sei denn, man hat die Ressourcen einer Big Brand und kann auf ein vielköpfiges Social Media Team zurückgreifen. Für KMUs absolut fern jeder Realität.

Es gilt hier also, sich auf die Plattformen zu konzentrieren, die man auch bedienen kann und bei denen der Content gut aufgehoben ist. Auch ein Corporate Blog ist mit viel Arbeit verbunden. Blogposts schreiben sich nicht allein. Neben der Themenfindung ist es also unerlässlich, von Anfang an zu planen, mit welcher Frequenz man neue Beiträge publizieren möchte und vor allem auch, wer für die Erstellung verantwortlich ist. Der Social Media Manager allein wird das kaum bewältigen können, dazu sind in vielen Unternehmen die wertvollen Inhalte zu komplex und fachspezifisch. Ein Team muss also her, welches sich aus dem Marketing, Vertrieb, den Fachabteilungen und produktiven Bereichen und dem Social Media Team zusammensetzt.

Corporate Blog und Social Media sind ein gutes Team

Hat man die Vorüberlegungen erfolgreich abgeschlossen (Ziel, Zielgruppe, Themen, Verantwortlichkeiten), dann spricht nichts gegen einen Start ins Social Media Marketing mit einem eigenen Unternehmensblog und den ersten Kanälen im Social Web. Eine permanente Erfolgsmessung von Anfang an erspart böse Überraschungen und sorgt für eine stetige Verbesserung der Außenwirkung.

Content Marketing ist eben nicht nur Social Media über Facebook und Twitter, sondern beginnt mit der Frage:

Was kann und will ich von mir als Unternehmen preisgeben und wie weit will ich mich dem Nutzer öffnen?

CC-BY-NC Quelle: Salvador Gutierrez https://www.flickr.com/photos/126950500@N08/favorites/
CC-BY-NC
Quelle: Salvador Gutierrez
https://www.flickr.com/photos/126950500@N08/favorites/

 

Die Eitelkeit des Social Media Marketing – erst handeln, dann denken

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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2 Gedanken zu „Die Eitelkeit des Social Media Marketing – erst handeln, dann denken

  1. Warum so viele „Social Media Experts“ gleich mit Facebook oder Twitter kommen? Weil diese beiden Dienste heutzutage für das Internet gehalten werden. Es ist bunt und blinkt, alle sind da und man kann sogar chatten. Wen interessieren da noch Corporate Blogs? Der gemeine Smartphonenutzer hat seine 20 „Äpps“ die er nutzt und fertig. Der Desktoprechner im Büro wird für SAP und Excel benutzt, denn alles andere hat der Superadmin ohnehin gesperrt. Zu Hause liegt das Tablet auf dem Couchtisch. Was ist dann einfacher, als auf einen eigenen Unternehmensauftritt komplett zu scheißen, und sämtliche Kommunikation zu einem vermeintlich kostenlosen Content Hoster wie Facebook oder Twitter auszulagern? Hat sowieso jeder. Das hat zwar mit Ethik und Moral nichts zu tun, aber wen interessiert schon die Zukunft? Wir brauchen Conversions, und zwar sofort!

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