Schon seit einiger Zeit beschäftigt mich der Gedanke, wie es denn wäre, hätte ich keinen WordPress-Blog, sondern würde komplett auf Medium umziehen ? Oder was wäre, wenn ich menen Microblog auf Tumblr weiterführen würde? LinkedIn Pulse … auch keine so schlechte Wahl. Tja, was wäre wenn … und genau diese Frage hat nun eine Blogparade aufgenommen. Meike Leopold stellt die Frage, was sich für Blogger langfristig ändern wird, mit all dem neuen heißen “Scheiß”. Welche Chancen und Risiken sieht ein jeder Einzelne dahinter und brauchen wir wirklich noch ein eigenes Content Hub in Form eines selbstgehosteten Blogs? Diesen Fragen möchte ich mich nun in den nächsten Zeilen einmal widmen.

Warum ich einen eigenen Blog (ein eigenes Blog) eröffnet habe und betreibe

Es gab eine Zeit, da hatte ich Lust aufs Schreiben. Ich wollte mich mitteilen und die Social Media Welt, in der ich mich bewege, mit anderen teilen. Dann wollte ich auch gern Andere an meinen Erfahrungen mit Facebook, Twitter & Co. teilhaben lassen, ihnen etwas bieten, was ihnen vielleicht weiterhilft. Nicht zuletzt ist es auch eine Form von Selbstvermarktung, wenn man sich im Netz präsentiert und wer weiß, wozu es mal gut ist. Und diese Zeit, diese Motivation treibt mich noch immer an, mehr oder minder regelmäßig über Themen des Social Web, Social Business und der neuen Medien zu bloggen.

Warum ich mich für einen selbstgehosteten Blog entschieden habe

Es macht mir unglaublich Spaß, zum einen zu Schreiben und zu Formulieren, zum anderen aber auch, mich mit der technischen Seite eines CMS zu beschäftigen. Themes, Plugins, SEO, Social Sharing … all das gehört in der Welt des Social Web mit dazu, wenn ich gesehen werden will. Und all das brauche ich auch in meinem beruflichen Alltag. Denn auch da geht es darum, Sichtbarkeit herzustellen, Reichweite zu generieren und Interaktionen zu fördern. Somit kann ich die Erfahrungen aus dem Privaten 1:1 ins Berufliche transponieren.

Mir spielt natürlich in die Hände, dass ich sowohl privat als auch beruflich mit WordPress umzugehen habe.

Welche Chancen sehe ich in den neuen Angeboten

Die proprietären Dienste wie Facebook Notes oder auch Medium und bald vielleicht auch 10k-Twitter haben natürlich einige entscheidende Vorteile ggü. klassisch gehosteten Blogs:

  • kein oder nur geringer Aufwand für die Einrichtung
  • eine von Grund auf bessere Sichtbarkeit, allerdings nur innerhalb des Netzwerkes
  • keine Kosten für Hosting oder Domain-Registrierung
  • kein Aufwand für Pflege und Wartung

Das ist für Neulinge, aber auch für diejenigen, denen es tatsächlich nur ums Schreiben geht, absolut interessant.

ABER es gibt bekanntlich nicht nur eine Sorte Blogger. Sondern es gibt auch diejenigen, die einfach Lust darauf haben, auch die technische Seite zu betrachten. Und dann gibt es diejenigen, deren Nutzer häufig über Google oder News-Aggregatoren auf ihre Seite finden. Da beginnen dann auch schon die Probleme.

Welche Risiken oder auch welche Nachteile sehe ich bei Drittanbieter-Diensten

Ich bin von Grund auf skeptisch, mich zu sehr an eine Plattform zu binden. Es gibt genügend Beispiele von Social Networks, die in kurzer Zeit auf einmal im Nirvana gelandet sind. Zudem behalte ich im Zweifelsfall gern selbst die Kontrolle über die von mir erstellen Inhalte. Und genau das sehe ich hier unter anderem auch als größten Nachteil:

  • starke Abhängigkeit von Entwicklung und Popularität eines Netzwerkes
  • wenig bis kein Einfluss auf zukünftige Entwicklung
  • keine oder nur begrenzte Möglichkeiten der Branding

Dazu kommt eine derzeit noch begrenzte Sichtbarkeit bei Google. Beiträge auf Medium werden so gut wie gar nicht bei Google gelistet. Die organische Google Suche ist aber nach wie vor das “Haupteinfallstor” für Nutzer auf die eigenen Inhalte.

Corporate Blogging kann nicht auf externen Plattformen stattfinden

Für Unternehmen kann es auch in Zukunft nicht der Weg sein, ihren Content ausschließlich über Social Networks zu verbreiten und selber keinen eigenen Webspace mehr zu betreiben. Denn Unternehmen müssen in jedem Fall Herr über ihren Content und ihre Daten bleiben, vor allem und gerade in Deutschland. Die Abhängigkeit von einem externen Anbieter, auf den man in keiner Weise Einfluss hat, wäre strategisch gesehen ein Himmelfahrtskommando. Drittplattformen werden also auch in Zukunft von Unternehmen nach wie vor nur zum Seeding von Inhalten genutzt werden können. Das Ziel muss es sein, den Nutzer zu erreichen, ihn zu interessieren und zum Klick auf ein eigenes Webangebot zu begeistern. Denn nur dort, wo ich zu Hause bin, kann ich ihn auch umfassend bedienen.

Fazit

Ich bin der Überzeugung, dass neue Blog-Plattformen wie Medium oder LinkedIn Pulse für Hobbyblogger durchaus eine sinnvolle Alternative sein können, wenn auch nur, um sich auszuprobieren. Für alle, die das Thema Blog ernsthafter angehen wollen und für Unternehmen, kann es nur den Weg eines eigenen Webauftrittes geben. Dabei steht außer Frage, dass sich LinkedIn Pulse oder ggf. bald auch Twitter für eine intensivere Seeding-Strategie mit längeren Teaser-Beiträgen lohnen.

Blogs erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit, vor allem auch lokale und hyperlokale Blogs, wie der IT-Verband Bitkom in einer Studie zeigt: Ein Drittel der Internetnutzer liest lokale Blogs

Zur Blogparade: #Blogparade – Erfolgreich Bloggen ohne eigenes Blog?

Quelle: CC-by-SA https://www.flickr.com/photos/44221420@N00/
Quelle: CC-by-SA https://www.flickr.com/photos/44221420@N00/
Blogparade – Bloggen mit oder ohne eigenem Blog

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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12 Gedanken zu „Blogparade – Bloggen mit oder ohne eigenem Blog

  1. Vielen Dank für Deinen offenen Umgang mit der Frage – ich sehe das sehr ähnlich – die beiden wichtigsten Punkte ist wirklich “content ownership” und “Verantwortung” – wobei das Engagement in LinkedIn aktuell dramatisch wächst, genau so wie in den anderen Kanälen ist es deutlich einfacher Feedback zu bekommen – das ist bei selbstgehosteten Blogs nach wie vor ein Trauerspiel.

    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar, Harald. Ja Du hast absolut Recht – die Chancen auf Kommentare sind tatsächlich in den anderen Kanälen deutlich größer. Allerdings ist die Sharing-Quote bei eigenen Blog gefühlt wesentlich besser. Keine Ahnung, warum das so ist?

    1. ja ich bin auch gespannt, wie es sich entwickeln wird. Rein von der eigenen Arbeit heraus (Communardo hat drei Corporate Blogs) sind Dritt-Plattformen aus den o.g. Gründen keine Option als Content-Hub. Als Seeding-Medium aber schon.

  2. Was das Thema angeht, bin ich ganz bei dir, auch wenn ich bei ein paar meiner Projekte über das Auslagern auf Medium oder ähnliches nachdenke.

    Was ich als Ansatz noch ganz spannend finde, vor allem aus der Sicht: “Wie kann ich Traffic auf meinen Blog bringen?” ist das Cross-Posting der eigenen Beiträge auf die externen Plattformen.

    Ich habe festgestellt, dass auf Medium ohne großes Zutun immer wieder Nutzer auf meinem Beitrag landen. Dieses Phänomen könnte man also auch nutzen, um solche “zufälligen Besucher” auf bspw. Medium anzufüttern, und dann auf den eigenen Blog weiterzuleiten. Daraus können, bei entsprechendem Content, dauerhafte Besucher entstehen.

    Für Corporate Blogs ist dies sicher mit mehr Aufwand verbunden, aber so mancher Hobbyblogger könnte sich somit eine kleinen Besucherzuwachs generieren.

    1. Cross-Posting ist ein spannender Ansatz. Ich werde jetzt LinkedIn Pulse verstärkt als Teaser-Medium nutzen – Beiträga teasern und dann zu mir verlinken. Mal sehen, ob das funktioniert.
      Für Corporate Blogs ist das durchaus auch interessant, wobei hier noch viel manuelle Arbeit erforderlich ist. Das erschwert es dem Redaktionsteam natürlich, zumal viele Drittplattformen entweder keine Administrierung im Team erlauben oder nur über den privaten Account genutzt werden können (z.B. LinkedIn Pulse)

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