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Nein, ich werde den sozialen Medien nicht den Rücken kehren und ich werde auch nicht anfangen, meine Surf- und Kommunikationsgewohnheiten umzustellen. Manche tun das aber, weil sie wohl glauben, mit der Deaktivierung des Accounts bei Facebook oder der Umstellung auf einen anderen Browser als den Google Chrome surft man sicherer und unbeobachteter. Manche wollen damit auch ein Zeichen setzen und zum Ausdruck bringen, dass die Art und Weise des Umgangs mit Nutzern, also uns Menschen, mittlerweile ein Ausmaß erreicht hat, was nur noch schwer tragbar ist.

Nehmen wir den von mir geschätzten Blogger und Social Media Nerd der ersten Stunde (ich hoffe, ich tue ihm mit „Nerd“ nicht unrecht), Alper Iseri. Er betreibt schon seit vielen Jahren den Blog meetinx.de und ist unglaublich engagiert im Netz. Alper veröffentlicht seit einiger Zeit in regelmäßigen Abständen Berichte über seinen Umstieg von Google Diensten auf andere freie Alternativen. Zum Beispiel über den Umstieg von Google Chrome auf Firefox oder dem Löschen seines Accounts auf Google+.

Ähnliches las ich heute auf t3n von Martin Giesler, den ich bis dato noch nicht kannte. Er ist Redakteur beim ZDF in der Redaktion von heute.de (was der Grund sein mag, warum ich ihn nicht kannte) und hat sich aus Facebook abgemeldet. Er nutzt aber beispielsweise Twitter weiterhin sehr aktiv.

Olaf Kohlbrück, Redakteur bei horizont.net, schrieb schon 2011, dass er seine Aktivitäten bei Facebook auf Null herunterfahren will. Gut, hat nur von liken, kommentieren, teilen und Kontakte knüpfen gesprochen. Sein eigenes Profil befüllt er nach wie vor fleißig mit Inhalten.

Ich glaube, jeder, der sich intensiv in den Social Media bewegt, kommt irgendwann an den Punkt, wo er sich die Frage nach dem Sinn stellt. Ob das alles richtig ist, ob es notwendig ist und ob es nicht auch anders geht. Wenn man sich dann mit Leuten unterhält, die nicht auf Facebook sind – ja die gibt es wirklich – dann erkennt man, dass man schon ziemlich viel Zeit in dieses Medium investiert, ohne wirklich etwas zurückzubekommen. Ja, ich sehe, was meine Freunde machen und ja ich kann mich mit jedem vernetzen. Aber ehrlich gesagt zeigt mir meine eigene Timeline immer mehr Werbung und Posts von Seiten, die mich nicht mehr interessieren (alle wieder zu entliken ist auch mühsam). Jetzt versucht mich Facebook auch noch zum Spieler zu machen, indem es mir ungefragt die Werbung für das Spiel „Live Hold`em Poker“ präsentiert und den Link dazu auch noch in meiner mobile App rotzfrech in die linke Menüleiste packt, noch über die von mir verwalteten Seiten. Ja wo ist da der Sinn?

Wir haben uns in den letzten Jahren zusehends von diesen Medien abhängig gemacht, haben uns prostituiert und schon irgendwie gewusst, dass die Rechnung eines Tages kommen wird. Jetzt ist sie gekommen, in Form von unerlaubten Datentransfers und einer permanenten Verletzung der Privatsphäre durch Konzerne, Geheimdienste und Regierungen. Der Kommerz hat uns Nutzer eingeholt und irgendwie auch überholt, denn so richtig damit klar kommt wohl kein normaler Onliner mehr. Retargeting, Big Data, Semantic Web – für diejenigen, die sich beruflich damit beschäftigen, sind das Cash Cows, wie der Geek sagt, oder auch Goldesel. Doch die goldenen Dukaten fallen immer dorthin, wo der normale Nutzer gerade nicht ist.

So, genug sinniert und nach vorn geblickt. Ich werde den neumod´schen Medien, wie die Fraktion der „Silversurfer“ sagen würde, nicht abschwören, weil ich a) damit auch beruflich umgehe und b) ich mich davon (noch) nicht in dem Ausmaß bedrängt und bevormundet fühle, wie andere. Ich kann Alper und alle anderen gut verstehen, die sich von diesen Netzwerken und Gepflogenheiten lossagen und vielleicht komme ich auch noch an diesen Punkt. Im Moment jedoch achte ich einfach nur peinlich darauf, dass nirgendwo ein Foto von meiner Familie in den Netzwerken zu finden ist und dass privates auch privates bleibt – also offline.