Cybermobbing ist schon längst kein Randthema mehr, sondern leider Alltag in den meisten Schulen. Das erlebe ich immer dann, wenn ich mit „Social Web macht Schule“ in die Schule gehe. Das Projekt, was queo 2011 auf die Beine gestellt hat und bei dem ich von Anfang an mit dabei bin, hat ganz klare Ziele: Sensibilisierung für den Umgang mit persönlichen Daten im Netz, Schutz vor Mobbing-Attacken und Stärkung des Bewusstseins für ein faires Miteinander. Leider stelle ich auch immer wieder fest, dass nicht nur die Kids nicht wissen, was sie tun, sondern dass auch die Eltern vollkommen ahnungslos sind und zumeist hilflos den neuen Medien und der rasanten Entwicklung im web gegenüberstehen.

Daher jetzt ein paar Tipps an überforderte und gestresste Eltern, um sich von der Social Welle nicht überrollen zu lassen.

Aus Spiel und Spaß wird Ernst

Auch wenn soziale Netzwerke wie Facebook keinen sonderlich guten Ruf genießen, sind sie doch ein wichtiger Wegbegleiter für die Kids auf ihrem Weg zum Erwachsensein. Natürlich werden die Tools und Mechanismen der Social Media zu Beginn zu spielerisch eingesetzt, ohne ernsthafte Hintergedanken. Aber genau diese Mechanismen finden sich dann später im beruflichen Alltag wieder. Über Enterprise 2.0 Systeme beispielsweise wird in Unternehmen getwittert, gebloggt, gechattet und Filesharing betrieben. Man arbeitet gemeinsam an Projekten über Collaboration Tools oder koordiniert die Projektarbeit per Videochat oder Google+ Hangout mit Kollegen aus Übersee. Wer sich also dem Ganzen in jungen Jahren spielerisch nähert, hat später im Berufsleben definitiv Vorteile.

Nicht verbieten sondern unterstützen

Viele Eltern glauben an die Vogel-Strauß-Taktik. Wenn dem Kind die Registrierung in einem sozialen Netzwerk verboten wird, kann auch nichts passieren. Weit gefehlt, denn Täter schrecken auch vor Identitätsklau nicht zurück und im Zweifelsfall ist immer noch eine Freundin oder ein Freund da, wo man sich registrieren kann. Also lieber das eigene Kind bei den ersten Schritten im Social Web unterstützen, es begleiten und gemeinsam den Account eröffnen. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass man sich selbst auch mit der Materie beschäftigen muss und so gleich eine Menge lernt.

Vorbeugen statt auf die Nase fallen

Jedes Netzwerk bietet Möglichkeiten des Selbstschutzes an. Ich kann Nutzer blockieren, Beiträge als Spam markieren oder auch rechtswidrige Inhalte melden. Man muss sich also nur noch darüber informieren, wo genau sich diese Funktionen finden lassen. Ebenso ist es hilfreich, die angebotenen Privatsphäreeinstellungen so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Auch wenn es hier große Unterschiede zwischen den einzelnen Netzwerken gibt, kann selbst der Haken bei „Nur Freunde dürfen mich anschreiben“ oder „Ich will nicht öffentlich gefunden werden“ hilfreich sein. Zudem schadet es nie, sich auf den Worst-Case vorzubereiten und zu wissen, wie man im Falle eines Falles am besten reagiert. Hier sollte sich jeder vier Schritte merken:

  • Dokumentieren (Screenshots, Downloads, Ausdrucke)
  • Deeskalieren (miteinander reden)
  • Handeln (Plattformeigene Meldefunktionen nutzen)
  • Anzeigen (Anwalt oder Polizei)

Ganz wichtig dabei ist: Das Netz weiß nur das von Dir, was Du selbst bereit bist, preis zu geben. Fotos, die ich nicht hochlade, Telefonnummern, die ich nicht einstelle oder Kontakte, die ich nicht veröffentliche, können auch nicht gegen mich verwendet werden. Wenn dann doch einmal Schindluder mit einem Bild von mir getrieben wird, dann kann ich effektiv dagegen vorgehen, wenn ich davon erfahre. Und auch hier hilft es mir, wenn ich weiß, wo ich suchen muss und ich mich also schon einmal mit dem Medium beschäftigt habe.

Social Media und unsere Kinder und warum wir Eltern die Pflicht haben, sie da nicht allein zu lassen

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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