Paris hat uns alle erschüttert. Und es hat uns gezeigt, wie verwundbar wir trotz massiver Polizeipräsenz und immer stärkerer Überwachung im Netz tatsächlich sind. Doch Paris war nicht der Anfang und wird sicherlich auch nicht das Ende sein. Denn die Gewalt hat sich ja bereits vor vielen Monaten und Jahren im Nahen Osten manifestiert. Es ist normal, dass wir nun alle unsere Sympathien gegenüber Frankreich und Paris bekunden. Aber wir vergessen zu leicht, dass jeden Tag in Syrien, Libyen oder dem Irak hunderte Menschen sterben. Man übersieht leicht in diesen traurigen Momenten, dass unlängst eine russische Passagiermaschine mit über 200 Menschen an Bord abgeschossen wurde und abgestürzt ist. Was ist mit den 43 Studenten, die in Mexiko ermordet wurden oder auch mit dem Krieg in der Ukraine? In Schweden sind 2011 über 70 Menschen ermordet worden, 2005 waren es in London auch über 70 Tode. 

Es ist beklemmend, wenn man sich die Spirale der Gewalt anschaut, in der sich die Welt befindet. Und noch viel beklemmender ist es, wenn man nicht erkennen kann, dass sich etwas zum Guten wendet und es irgendwo einen Ausweg gibt. Und am beklemmendsten ist es, wenn man erkennt, dass sich diese Spirale immer schneller dreht und sich auf einen selbst zubewegt. Paris ist eben nicht mehr tausende Kilometer weit weg und bei einem Ausbruch eines Krieges zwischen Russland und der USA sitzen wir eben gefangen genau in der Mitte.

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Die Franzosen bombardieren den IS, der verübt Attentate in Paris, die Franzosen bombardieren den IS ….. wo führt das hin?

Man hat Kinder, die in dieser Welt einmal groß werden wollen. Man hat selbst noch viele Jahre seines Lebens vor sich. Man darf sich also von diesem ganzen Terror nicht zu sehr ängstigen lassen, auch wenn es in Anbetracht der Ereignisse schwer fällt. Man fühlt sich als Vater und Mensch hilflos dem ausgesetzt, was da in der Welt passiert. Aber eigentlich will man doch die Geschicke der Zeit mitbestimmen, wenn auch nur ein klein wenig. Vielleicht ist es diese Hilflosigkeit, die viele Menschen dazu bewegt, ihr Profilbild bei Facebook oder Twitter in den französischen Nationalfarben zu schmücken? Mehr kann man kaum tun und im Grunde gilt diese Geste allen Opfern des Terrors.

Im Moment bewegt mich das schon sehr, mehr als ich eigentlich will. Aber ich werde lernen müssen, mit diesen Ängsten umzugehen, wie vermutlich viele andere auch. Die Welt hat sich in den letzten Jahren verändert und verändert sich auch in diesen Zeiten gerade extrem. Und keiner weiß, was einmal herauskommt, wenn der Veränderungsprozess abgeschlossen ist.

Niemand weiß, ob es ein Schmetterling sein wird, der aus dem Kokon schlüpft. Der Optimist in mir glaubt immer noch an einen Schmetterling.

OffTopic – über Terror, Angst und die eigene Hilflosigkeit

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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6 Gedanken zu „OffTopic – über Terror, Angst und die eigene Hilflosigkeit

  1. Hi Jan, das reicht nicht. Das “Lernen mit der Angst umzugehen”, ist mit zu wenig. Man (wir*) können viel mehr tun. wir* können uns engagieren. Politisch. Parteien sind die geeigneten Instrumente. und wenn es keine passenden gibt, dann kann man welche gründen. Engagement in Parteien deshalb, weil der einmal in 4 Jahren stattfindende Gang zur Urne eben nicht reicht. Man (wir*) müssen die täglich dargestellte Politik nach unserem Willen gestalten, ändern vielleicht sogar “umkodieren”.
    Wer nicht will, dass Krieg im Nahen Osten geführt wird, der muss Waffenlieferungen einschränken. Wer einen vernüftigen Umgang mit Fluchtbewegungen anstrebt, der darf sich nicht die Türkei oder afrikanische Diktatoren kaufen und mit Massen von Geld gefügig machen. Der darf nicht auf einen Partnerstaat, wie Saudi Arabien setzen. Der muss transparente, friedliche und faire Politik machen.
    Wenn das bisher nicht der Fall ist, dann muss man, müssen wir* das ändern. Das bedeutet Arbeit. Viel Arbeit. Aber nur so erreichen wir, das wir eben nicht lernen müssen, mit der Angst zu leben.

    *Wir, dass sind die ganzen jungen Famielen da draußen. Mütter, Töchter, Söhne und Väter, wie wir beide.

    1. Ja Robert, Du hast absolut Recht. Es ist Zeit, sich zu engagieren. Nur was ist, wenn man nicht daran glaubt, dass sich auf absehbare Zeit etwas ändert, wenn man sich engagiert? Ich bin in der Beziehung ehrlich gesagt leicht desillusioniert. Und ich glaube auch nicht, dass die Politik, wenn sie in der Art und Weise weiter agiert wie bislang, etwas Grundlegendes ausrichten kann.

      Das Böse steckt leider in den Menschen drin und die Geschichte ist voll von Gruppierungen und Nationen, die mehr wollen als sie haben – Macht, Geld, Einfluss….

      Bist Du tatsächlich der Meinung, dass WIR* das ändern können? Dass wir der Versuchung nach Geld und Macht Einhalt gebieten können? Sorry, aber das glaube ich tatsächlich nicht. Waffenlieferungen, TTIP, Umweltverschmutzung, Spionage .. überall steckt viel Geld drin und wenn man einmal an dem Punkt angelangt ist, seine Hand ausgestreckt und voller Scheine wieder zurückgezogen zu haben, kehrt man nicht wieder um. Das ganze System ist desolat – es würde schon einen kompletten Reboot brauchen, um es wieder auf Spur zu bringen.

      Was hat sich denn seit 9/11 geändert? Oder seit dem Irak-Krieg? Wo ist denn die Einsicht nach dem zweiten Weltkrieg und dem kalten Krieg, dass man mit Kriegen keine Konflikte lösen kann? Das ist schon lange nicht mehr die Spielwiese von Politikern, sondern von Militärs und Geheimdiensten und den kommst Du mit ein paar Demonstrationen nicht bei.

      1. Sage ich doch. Wir dürfen sie nicht so weitermachen lassen, wie bisher. Absehbare Zeit ist für mich in diesem Zusammenhang schon langfristiger gedacht. Mein Sohn ist jetzt 10 Jahre. Ich will, dass auch er seine Kinder so großziehen kann, wie ich aufgewachsen bin. Dass sich von heute auf morgen nichts ändern lässt, ist klar.

        Das „Böse“ ist eine willkürliche Zuordnung. So funktioniert das leider nicht. Was für den einen böse ist, ist für den anderen gut. Am besten man hält diese Zuschreibungen ganz aus der Diskussion raus. Macht, Geld und Einfluss sind per se nichts Schlechtes. Sie müssen nur unter legitimen Bedingungen zu Stande gekommen bzw. erworben werden.

        Zwei kurze Antworten:
        1. Ja, ich glaube daran. Das ist aus meiner Sicht der einzige vertretbare Weg.
        2. So ein Reboot, davor habe ich richtig Angst.
        Ich bin von der Universalität der Menschenrechte überzeugt. Diese sind nebenbei die Grundlage für unser Grundgesetz. Das ist die Basis für die Entwicklung unseres Landes. Das stehen Rechte (gleichzeigte Pflichten) eines jeden einzelnen in diesem Land drin. Anders, als auf der Basis des Grundgesetzes kann und darf es keine Änderungen geben.
        Wenn tausende, scheinbar „entpolitisierte“ in Dresden es schaffen, die Politik zu provozieren, warum sollen es dann nicht alle anderen auch schaffen? Die Friedensbewegung der 80er Jahre, die Revolution in der DDR, sind Beispiel dafür, dass es funktionieren kann. Unblutig, vernüftig, „gesittet“ aber langwierig. Sicher, aber es geht. Man muss nur den Ars** hochkriegen.

        1. Dein Wort in Gottes Ohr. Ich glaube da leider nicht dran. Regional gesehen kann man sicherlich etwas bewegen, wenn man nur genügend Menschen mobilisiert bekommt. Aber im internationalen Kampf gegen Terror und Gewalt?

          Die Gier nach Macht und Geld und Einfluss ist es, die Menschen dazu verleitet, das Falsche zu tun. Klar ist das immer eine Frage Sichtweise. Christen haben für den Glauben getötet wie jetzt die Islamisten. Und für beide war es richtig und gut. Aber das hilft der Gegenseite wenig.

  2. Gott würde ich gern raushalten. Religonen sind Ideologien. Damit werden Menschen instrumentalisiert, um den Denkern der Ideologie zu Macht und diesen Sachen zu verhelfen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Egal wie die Religion heißt. Es geht nie um sie. (Stichworte: Kindesmißbrauch in der kathoischen Kirche, evangelische Soldatenpfarrer, jüdische Siedler, Mudschahedin, Hindutva, Gruppe “969” – überall)
    Allein kann man nicht viel bewegen. Das stimmt. Und ich weiß, wie du weißt, dein Engagement für die Berichterstattung rund um deine Nachbar sehr zu schätzen. Ich kenne diese Probleme in anderen Zusammenhängen. Man kann aber nur im kleinen Kreis, im persönlichen Umfeld anfangen. Solche Sachen brauchen Zeit.
    Und das ist insbesondere in der heutigen Zeit schlecht zu verstehen, wo Echtzeitkommunikation nicht nur gewünscht sondern gefordert wird. Prozesse, die – wie in der Politik – manchmal Monate oder Jahre dauern, sind sowas von unnachvollziehbar, dass man sehr schnell die Lust am ganzen verliert.
    Schlimmer noch, das man resigniert, dass man alles vergisst und nur noch “besorgt”, ängstlich und xenophobisch wird.
    Für meinen Teil will ich das nicht, weil ich nicht will, dass mein Sohn auch so wird.
    In short: Man kann scheitern aber man darf nicht aufgeben.

    1. Da bin ich bei Dir – nur ängstlich zu sein oder nur zu meckern kann es nicht sein. Ich versuche halt im Kleinen, meinen Teil beizutragen. Und wenn jeder einen kleinen Teil beisteuert, je nachdem, was er leisten kann, dann könnte es vielleicht was werden mit der besseren Welt.

      Bleiben wir also optimistisch und aufmerksam und nehmen wir am Weltgeschehen teil – noch ist nicht alles verloren.

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