Der Hanser Fachbuchverlag hat aktuell zusammen mit Autor Michael Firnkes in einer Blogparade diese Frage auf den Tisch geknallt: Content Marketing – Heilsbringer oder Hydra? Es soll geklärt werden, ob Content Marketing Alter Wein in neuen Schläuchen oder der tatsächliche Umbruch des Onlinemarketings, weg von der (SEO-) Technik hin zu ehrlichen Inhalten ist?

Zuerst habe ich mir gedacht, was soll diese Frage? Natürlich ist Content Marketing kein Hype, sondern schon seit Jahren absolute Notwendigkeit, wenn man seine Inhalte, seine Leistungen oder seine Produkte als Firma sichtbar machen möchte. Doch halt! Ganz so einfach und selbstverständlich ist das wohl doch nicht, wenn jetzt wieder darüber philosophiert wird. Ich nahm auch lange Zeit an, dass es klar ist, dass Social Media eine offene und authentische Kommunikation mit den Nutzern und Kunden bedeutet und nicht nur plattes Marketing. Aber auch hier gibt es viele Unternehmen, die das anders sehen. So scheint es auch bei der Erstellung von Inhalten immer noch Gang und Gebe zu sein, zu kopieren oder nur für die Suchmaschine zu schreiben und nicht für den Nutzer.

Aber das genau das verstehe ich unter gutem Content, unter Content Marketing: die klare Nutzerfokussierung der Inhalte.

Immer an den Leser denken

Diesen Slogan hat schon der Focus in einem TV-Spot proklamiert. Und genau darum geht es beim Schreiben, beim Texten, beim Aufbau von Websites, Corporate Blogs und natürlich auch bei Social Media. Es geht nicht darum, wie toll das Unternehmen ist und wie fantastisch seine Produkte und Leistungen sind. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln um zu erkennen, was dem Leser wichtig ist. Man muss sich dabei als Autor und Redakteur immer folgende Fragen stellen:

  • Was kann ich dem Leser bieten, dafür, dass er seine Zeit zum Lesen meiner Inhalte opfert?
  • Was treibt den Leser um und wie kann ich ihm weiterhelfen?
  • Was bringt ihn dazu, diese Inhalte auch noch mit seinem Netzwerk zu teilen?

Denn eine gut geschriebene Inhaltsseite oder ein gut geschriebener Blogpost ist nur dann gut, wenn er nicht nur gelesen, sondern auch geteilt wird.

Content is King – Sharing is Emperor

Content Marketing ist eine permanente Gradtwanderung

Natürlich muss jede Form der Unternehmenskommunikation Botschaften des Unternehmens enthalten. Schließlich verfolgt man immer ein klares Ziel mit den Kommunikationsmaßnahmen. Und das heißt in den allermeisten Fällen: Leadgenerierung. Ich möchte, dass Nutzer auf meine Seiten kommen, sich mit meinen Inhalten beschäftigen und dann an einer strategisch günstigen Stelle mit mir interagieren, im besten Falle über die Abgabe ihrer Kontaktdaten (Call to action). Denn was nützt mir als Unternehmen ein anonymer Besucher. Ich will wissen, wer er ist, was ihn dazu bewogen hat, bei mir vorbeizuschauen und wie ich ihn erreichen kann. Nur dann habe ich die Chance, aus einem Lead auch einen Kunden zu machen (Lead-Nurturing). Da dieser Prozess recht lang sein kann, ist es wichtig, dass ich den Interessenten punktgenau mit den richtigen Informationen versorge – Timing ist nicht nur in der Komödie das Wichtigste. Damit sind wir wieder bei den oberen Fragen. Je besser ich über seine Befindlichkeiten und seinen Bedarf Bescheid weiß, desto besser kann ich meine Inhalte auf den Leser abstimmen.

Marketing- und Vertriebsbotschaften spielen dabei immer nur die 2. Reihe hinter den wertvollen Inhalten für den Leser. Er darf nie das Gefühl bekommen, nur “benutzt” zu werden. Ist ein Inhalt zu werblich, zu vertrieblich, wird er nicht mehr geteilt, denn wer lässt sich gern als Werbemittel prostituieren?

Content Marketing ist ein Teufelskreis

Wenn ich einmal damit angefangen habe, meine Inhalte qualitativ auf die Nutzer auszurichten, dann habe ich damit auch eine gewisse Erwartungshaltung beim Leser geweckt. Dieser Erwartung sollte man dann auch immer gerecht werden, sonst kann es schnell passieren, dass man erst vom Nutzer, dann von der Suchmaschine abgestraft wird. Denn nichts ist schlimmer als ein enttäuschter Besucher. Der kommt im Zweifelsfall nie wieder und den Bounce registriert Google obendrein. Man geht mit Content Marketing eine Verpflichtung ein, an die man sich besser halten sollte.

Der Autor ist nicht mehr nur ein Name, sondern das Zünglein an der Waage

Der Google Page Rank von Seiten spielt heutzutage nicht mehr die alleinige Geige bei der Bewertung der organischen Sichtbarkeit durch Google. Der Author Rank gewinnt zunehmen an Bedeutung und der hat ganz stark mit dem Ersteller von Inhalten zu tun. Es ist also nicht mehr nur damit getan, gute und lesenswerte Inhalte zu produzieren. Meiner Meinung nach muss zum Content Marketing auch das Networking der Autoren im Social Web gehören. Also schreiben, veröffentlichen und abwarten war gesten. Heute heißt es für Autoren und Redakteure:

  • Schreiben
  • Veröffentlichen
  • Teilen
  • Taggen
  • Netzwerken

Fazit

Content Marketing ist “state of the art”!

Content ist immer noch King – was sonst?

Jan Pötzscher


Speaker, Blogger, Dozent / Social Media Nerd seit 2006 / Experte für Online Marketing, SEO und Social PR


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3 Gedanken zu „Content ist immer noch King – was sonst?

  1. Vielen Dank für den Beitrag zur Blogparade! Ich denke auch, dass es eine Verschiebung weg von der Portalbewertung (PageRank, TrustRank etc.) hin zur Bewertung einzelner Autorenleistungen geben wird. Dann geht der Kampf der Unternehmen um entsprechende Mitarbeiter los, weniger nach Links. Wer gut und prominent bloggt oder anderweitig Online kommuniziert, der wird dabei einen Vorteil haben.

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