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Neulich erst las ich einen höchst spannenden Artikel „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“, über den Psychologen Michael Kosinski. Darin ging es um die groß anlegte Sammlung und Auswertung von Daten auf Facebook, insbesondere Likes und Profildaten. Und es wurde beschrieben, wie genau diese Big Data Analyse unter anderem dem amerikanischen Präsidenten Trump zur Wahl verholfen hat. Auch wenn kurz darauf in der Zeit Online eine Art Gegendarstellung publiziert wurde mit der klaren Botschaft „Big Data allein entscheidet keine Wahl“, bleibt doch eines haften:

Wir Nutzer sind zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen geworden und merken es meist nicht einmal.

Hier geht es nicht darum, dass wir von Amazon-Anzeigen verfolgt werden, nur weil wir einmal nach etwas auf Amazon gesucht haben. Hier geht es auch nicht um Cookies oder Suchprofile. Hier geht es um Verhaltensmuster und Vorhersagen, die immer exakter getroffen werden können. Dafür werden unsere Social Media Profile ausgewertet und wir werden geclustert, katalogisiert und markiert.

2014 habe ich dazu schon einmal etwas geschrieben, als Facebook selbst eine Studie an seinen Nutzern vornahm. Dann habe ich vergangenes Jahr das Buch „ZERO“ von Marc Elsberg gelesen, indem es um ziemlich genau das ging, was Kosinski nun ebenfalls beschrieben hat.

Twitter Social Bots

Quelle:
David Spark „04. Stop letting bots control your Twitter account.“
https://www.flickr.com/photos/91165431@N00/12351554515/
https://www.flickr.com/photos/91165431@N00/
CC BY-NC 2.0

Analyse und Manipulation von Menschen

Was ich daran so bedenklich finde, ist die Tatsache, dass diese Manipulationen unter Umständen massive Auswirkungen auf uns und die Gesellschaft haben. Stellen wir uns doch nur mal das Szenario vor, dass nach der Analyse von Nutzerdaten die gezielte Beeinflussung durch Social Bots kommt. Also Social Media Accounts auf Twitter oder Facebook, die maschinell gesteuert sind, die sich in unser Netzwerk einschleichen, in unseren „Freundeskreis“ und damit in unsere ureigenste Filterblase.

Und die dann gezielt Meinung verbreiten und mich so in meiner eigenen Wahrnehmung beeinflussen. Kein Science Fiction, sondern Realität. „Wahlkampf der Algorithmen“ titelt beispielsweise der Deutschlandfunk und „Social Bots können Wahlen entscheiden“, ist beim MDR zu lesen und das Experten des Bundestages davor warnen.

Social Bots im Wahlkampf - eine permanente Gefahr

Social Bots im Wahlkampf – eine permanente Gefahr

Dass der virtuelle Wahlkampf in Deutschland schon längst in vollem Gange ist, zeigt eindrucksvoll die Analyse der Twitter-Aktivitäten der AfD. „So twittert die AfD“ schreibt der Tagesspiegel und visualisiert die Aktiviten von Petry, von Storch & Konsorten, die sich mit einem großen Gefolge höriger Twitter-Accounts umgeben, nach außen Lügenpresse proklamieren und nach innen Pseudojournalismus pflegen. Der bisherige Erfolg scheint ihrer Strategie Recht zu geben, ebenso wie dem Brexit-Lager in Großbritanien oder dem Trump-Team in den USA:

Über Twitter und Facebook lassen sich Menschen in großem Stil beeinflussen, sofern man die richtigen Fäden zieht und die großen Daten an der Hand hat.

Denn sind wir doch mal ehrlich: viele von uns sind zu faul, um Botschaften zu hinterfragen, Quellen zu prüfen oder aus der eigenen Filterbubble auszubrechen. Es ist doch viel bequemer, mit einem Klick die eigene Meinung gesagt zu bekommen.

Und genau darin sehe ich die Gefahr für unsere Zukunft, dass wir selbst unser Schicksal immer weniger in der Hand haben, sondern nur noch Marionetten sind, die tanzen, wenn anderen danach ist. Andererseits….wann waren wir denn jemals wirklich frei in unserer Meinung?